Hohe Steuern in Holland „Sauftouren“ nach Deutschland: Alkoholtourismus im Grenzgebiet

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Meppen. Die Niederländer sollen ab dem 1. Januar nüchterner werden. Im Nachbarland bekommen dann Jugendliche keinen Alkohol mehr, und die Steuern auf berauschende Getränke steigen weiter.

Schon jetzt gibt es einen Alkoholtourismus im Grenzgebiet, der sich am Inhalt der Einkaufswagen zeigt, der bei den großen Super- und Getränkemärkten im Emsland in die Kofferräume von Autos mit gelben Kennzeichen umgeladen wird. Der Grund sind die in den vergangenen Jahren stetig erhöhten Steuern auf alkoholische Getränke . Bereits heute sind Bier, Wein und Hochprozentiges auf der schwarz-rot-goldenen Seite der Grenze zehn Prozent günstiger.

Bier und Wein erst ab 18

Die Gesetzesänderung vom 1. Oktober 2013 verbietet ab dem 1. Januar 2014 im Königreich der Niederlande den Verkauf und Ausschank von Alkohol an Personen, die jünger als 18 Jahre alt sind. Bislang galt eine Altersgrenze von 16 für leichte alkoholische Getränke wie Bier und 18 für Hochprozentiges. Unterzeichnet ist das Gesetz von Staatsoberhaupt König Willem-Alexander, der in jungen Jahren noch den Spitznamen „Prinz Pils“ trug. Aber als Familienvater sieht er die Sache jetzt wohl anders.

Die Niederlande orientieren sich am Vorbild der skandinavischen Länder, wo der Alkoholmissbrauch durch strenge Regeln und hohe Steuern eingeschränkt werden soll. 2010 hatten das Trimbos-Instituut , das Suchtgefahren und seelische Erkrankungen wissenschaftlich untersucht, die niederländischen Gesundheitsämter und das „ Nederlands Instituut voor alcoholbeleid “ (Institut für Alkoholpolitik) für eine generelle Festsetzung der Grenze auf 18 Jahren plädiert. Das Problem ist nur, dass Belgien und Deutschland mit ihren liberalen Regelungen für die meisten Niederländer schnell zu erreichen sind.

Freuen dürfen sich neben dem Getränkehandel auch die Gastwirte im deutschen Grenzgebiet. Bereits in den vergangenen Jahren konnten sie wegen der geringeren Steuerbelastung und niedrigeren Löhne mit günstigen Preisen erfolgreich um niederländische Kunden werben. Dieser Vorteil wird sich ab dem 1. Januar noch vergrößern.

Schon für die Neujahrsnacht haben viele Gemeinden verschärfte Kontrollen angekündigt. Findige Unternehmer bieten „Saufreisen“ für Jugendliche in grenznahe Diskotheken an. Dafür wird bereits in der niederländischen Provinz Limburg geworben. Ziel sind Großdiskotheken in Belgien. Dort hat die Polizei angekündigt, dass sie streng auf die Einhaltung der Gesetze achten will.

Die niederländischen Jugendlichen dürfen in Belgien und Deutschland wie bisher in ihrer Heimat ab dem 16. Lebensjahr schwach alkoholische Getränke wie Bier oder aber Wein trinken, das kann auch die Polizei nicht verhindern.

Inkonsequente Eltern

Eine Umfrage im Auftrag der Fernsehredaktion EénVandaag unter 700 Elternpaaren von 16- und 17-Jährigen ergab, dass sie das neue Gesetz gutheißen, aber ihren Kindern im Jugendalter das Alkoholtrinken nicht verbieten wollen. 19 Prozent der Niederländer werden ihren Alkoholkonsum wegen des steigenden Preises einschränken, ergab eine repräsentative Umfrage des TNS Nipo Instituts.


2012 lag das Preisniveau für alkoholische Getränke hierzulande bei 82 Prozent des EU-Schnitts, wie das europäische Statistikamt Eurostat im Juni in Brüssel mitteilte. Nur in drei EU-Ländern waren Bier, Wein, Schnaps & Co. noch billiger: In Bulgarien (67 Prozent des EU-Durchschnitts), Rumänien (75 Prozent) und Ungarn (79 Prozent). Besonders tief müssen die Menschen in Finnland für ein Gläschen in die Taschen greifen, wo Alkohol mehr als doppelt so teuer ist wie in Deutschland (175 Prozent des EU-Schnitts) - aber immer noch günstiger als im Nachbarland Norwegen (288 Prozent), das aber kein EU-Mitglied ist. Auch in Irland (162 Prozent), Schweden (161 Prozent) und im Vereinigten Königreich (143 Prozent) ist Alkoholgenuss überdurchschnittlich kostspielig. (dpa)

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