Prozess fortgesetzt Wulff/Glaeseker: SMS besiegelte Bruch

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Freundlicher Enpfang: Olaf Glaeseker mit Justizbediensten im Landgericht Hannover. Foto: dpaFreundlicher Enpfang: Olaf Glaeseker mit Justizbediensten im Landgericht Hannover. Foto: dpa

Hannover. Ex-Bundespräsident Christian Wulff ist von seinem früheren Sprecher Olaf Glaeseker schwer belastet worden.

Im Korruptionsprozess gegen ihn und Partymanager Manfred Schmidt nannte es Glaeseker am Freitag vor dem Landgericht Hannover „verstörend“, dass Wulff keine Kenntnis von der langjährigen Freundschaft zwischen ihm und Schmidt sowie von häufigen Urlaubsaufenthalten auf Anwesen des Partymanagers in Spanien und Südfrankreich gehabt haben will.

Als ein Beispiel dafür, dass die Wulff-Behauptung unzutreffend sei, verwies Glaeseker auf eine Dienstbesprechung in der niedersächsischen Staatskanzlei im Mai 2009. Der damalige Ministerpräsident Wulff, der Schmidt ebenfalls duzte, habe ihn, Glaeseker, nach der Rückkehr von einer Visite am Mittelmeer gefragt: „Wie war’s denn bei Manfred?“.

Am 18. August 2009 fand dann dem Ex-Sprecher zufolge ein Treffen in der niedersächsischen Landesvertretung in Berlin statt. In deren Verlauf habe Glaeseker-Gattin Vera im Beisein von Wulff mitgeteilt, dass sie am nächsten Tag zusammen mit ihrem Mann nach Frankreich fliegen und bei Manfred Schmidt ihren Geburtstag feiern werde.

Bei solchen Ferienaufenthalten, schilderte Glaeseker weiter, sei er auch wiederholt von Wulff angerufen worden. Dabei habe der Regierungschef gelegentlich gefragt: „Kannst Du mir Manfred mal geben?“. „Und dann habe ich das Telefon weitergereicht“, berichtete der 52-Jährige. Erneut wies Glaeseker auch darauf hin, dass Wulffs frühere Frau Christiane und Tochter Annalena ebenfalls mehrfach in den Schmidt-Domizilen zu Gast waren.

Breiten Raum nahm in der Verhandlung ein SMS-Verkehr zwischen dem damals noch amtierenden Bundespräsidenten und seinem kurz vorher entlassenen Sprecher vom 4. Januar 2012 ein. Damals hatte Glaeseker Wulff für eine dienstliche Erklärung um Bestätigung gebeten, dass er zu Schmidt eine lange Freundschaft pflege und es diverse Einladungen zu Urlaubsbesuchen gab. „Für mich eine Selbstverständlichkeit“, meinte der 52-Jährige. Doch dann musste er erleben, dass sein Chef dies schroff ablehnte – es besiegelte den endgültigen Bruch zwischen den beiden Männern, die sich lange als „siamesische Zwillinge“ verstanden.

„Es nützt Dir nichts, wenn ich davon weiß. Aber es schadet mir massiv, ich steh hier unter Druck“, ließ Wulff laut sichergestellter SMS seinen langjährigen Freund und Berater abblitzen. Und er bedeutete ihm kühl: „Ich bin davon ausgegangen, dass Du bezahlst“. Dafür wiederum bekundete Glaeseker nun überhaupt kein Verständnis. „Ich habe Christian Wulff immer so kennengelernt: Wenn er Freunde besucht, dass er bei denen nicht bezahlt. Warum sollte das bei anderen anders sein?“.

Die Widersprüche zwischen Glaeseker und Wulff spielen eine Rolle für die Klärung der Frage, ob der frühere Regierungssprecher sich der Bestechlichkeit schuldig gemacht hat. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 52-Jähren vor, im Zusammenhang mit dem „Nord-Süd-Dialog“ Sponsorengelder in Höhe von 651 000 Euro für Veranstalter Schmidt eingeworben zu haben und dafür mit Freiflügen und kostenlosen Ferienaufenthalten auf den Schmidt-Anwesen am Mittlermeer belohnt worden zu sein.

Glaeseker behauptet dagegen, es habe sich nur um Besuche bei einem langjährigen Freund gehandelt; das Bemühen um Sponsoren sei im Interesse des Landes und mit Wulff abgestimmt gewesen.


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