Weil wirbt bei Bauern um Goodwill „Eine Kampfansage klingt anders“

Von Hans Brinkmann

Werben für die sanfte Agrarwende: Ministerpräsident Stephan Weil. Foto: dpaWerben für die sanfte Agrarwende: Ministerpräsident Stephan Weil. Foto: dpa

Hannover. Stephan Weil warb in der „Höhle des Löwen“ um Goodwill. „Ich wünsche mir eine gute Zusammenarbeit mit dem Landvolk. Die Hand der Landesregierung ist ausgestreckt“, signalisierte der Ministerpräsident am Dienstag den Delegierten jenes Verbandes, der die Regierungsübernahme von Rot-Grün mit äußerst gemischten Gefühlen verfolgt hatte.

Die Reaktionen fielen freundlich aus. Es gab höflichen Applaus für den Regierungschef der SPD, und auch Christian Meyer, der als Oppositionspolitiker der Grünen bisweilen mächtig Dampf gegen die Bauern gemacht hatte, wurde von Landvolkchef Werner Hilse betont wohlwollend als „unser Landwirtschaftsminister“ begrüßt.

Weil nutzte die Gelegenheit, als „typische Großstadtpflanze“ die Bedeutung der niedersächsischen Ernährungswirtschaft zu unterstreichen. „Sie stellt ein Achtel aller Arbeitsplätze in Niedersachsen. Das ist alles andere als Folklore“, rühmte der Regierungschef und erntete prompt Applaus.

Aber er verwies auch auf kritische Punkte wie Verbesserungsbedarf beim Tierschutz, bei der Lebens- und Futtermittelkontrolle, beim Gülleproblem und mit Blick auf Streit in den Dörfern über Großmastställe und Vermaisung der Landschaft.

Politik und Agrarwirtschaft sollten hier gemeinsam agieren und verlorenes Vertrauen bei den Verbrauchern zurückgewinnen, warb Weil für eine „sanfte Agrarwende“. „Wir wollen eine Landwirtschaft, die ökonomisch erfolgreich ist und in Frieden und Eintracht mit der Umwelt lebt“.

„Eine Kampfansage klingt anders“, schob der Regierungschef nach – und illustrierte dies am Beispiel des Tierschutzplans. Dieses Konzept des CDU-Agrarministers Gert Lindemann wolle Rot-Grün konsequent fortsetzten, aber ohne die Bauern zu überfordern. So werde man auch die Zeitpläne für das Verbot des Schnabelkürzens bei Legehennen und Puten nicht beschleunigen: „Es bleibt beim Kurs der Zusammenarbeit“, versicherte Weil.

Gerne hätte der SPD-Mann die Delegierten noch zu Beifall für seinen Agrarminister wegen dessen „sauberer Leistung“ bei den Verhandlungen über die EU-Förderung animiert, aber das war denn doch des Guten zuviel. Als sich keine Hand zum Klatschen rührte, flüchtete Weil in einen Kalauer: „Ich nehme das dann mal als schweigende Zustimmung“.

Nachdem sich auch Meyer klar dazu bekannt hatte, dass Niedersachsen das Agrarland Nummer 1 bleiben müsse („Aber noch ökologischer und tierschutzgerechter“), zog Hilse ein erstes positives Fazit. „Man merkt, dass die Landwirtschaft Herzenskind Ihrer Regierung ist“, meinte der Präsident. Aber er legte gleich nach: „Das werden wir auch immer wieder einklagen“. Zugleich warnte er davor, den Bauern mit „sprunghaften Veränderungen“ und pauschalen Vorwürfen das Leben schwer zu machen.