Ex-Sprecher kontert Vorwürfe Olaf Glaeseker: Christian Wulff wusste Bescheid

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Wehrt sich: Ex-Sprecher Olaf Glaeseker. Foto: dpaWehrt sich: Ex-Sprecher Olaf Glaeseker. Foto: dpa

Hannover. Olaf Glaeseker hatte sich penibel vorbereitet. 22 eng beschriebene Seiten umfasste seine Stellungnahme, mit der am Montag vor dem Landgericht Hannover den Vorwurf der Korruption auszuräumen versuchte. Bisweilen stockte dem langjährigen Sprecher von Christian Wulff dabei die Stimme – etwa als er schilderte, wie er Ende 2011 zwei Tage vor Weihnachten entlassen wurde und die Staatsanwaltschaft neben Büros auch sein Privathaus durchsuchte.

„Mein Engagement für den Nord-Süd-Dialog hat allein dem Land Niedersachsen, der Stadt Hannover und dem damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff gegolten“, konterte Glaeseker den Vorwurf der Staatsanwälte, für die Promitreffen zwischen 2007 und 2009 insgesamt 651 000 Euro an Sponsorengeldern eingeworben und den Partymanager Manfred Schmidt so um bis zu einer Million Euro reicher gemacht zu haben. Dass der 52-Jährige im Gegenzug Gratisaufenthalte in Schmidts Anwesen in Spanien und Südfrankreich genossen und Freiflüge im Gesamtwert von 12 000 Euro in Anspruch genommen haben soll, werteten die Anklagevertreter als schweres Vergehen: Bestechlichkeit.

Diese Anschuldigungen wies Glaeseker aus zwei Gründen als unhaltbar zurück. Erstens: Der Einsatz für das Zustandekommen des Nord-Süd-Dialogs sei allein aus dienstlichen Motiven erfolgt – und wäre so auch geschehen, wenn es statt Schmidt einen anderen Veranstalter gegeben hätte.

Zum Zweiten, so Glaeseker, pflegten er und seine Frau Vera mit Schmidt schon seit mehr als 15 Jahren eine tiefe Freundschaft, die fast familiären Charakter habe. Bezeichnend dafür sei zum Beispiel, dass der Partymanager seinen Arzt für die Glaesekers von der Schweigepflicht entbunden habe. „Sie sind meine besten Freunde“, beteuerte auch Schmidt.

In diesem Rahmen müssten auch die Stippvisiten auf den Schmidt-Anwesen am Mittelmeer gesehen werden: als rein freundschaftlich und ohne jedweden Bezug zum Nord-Süd-Dialog, unterstrich Glaeseker. Und detailliert schilderte er, wie er für Gegenbesuche des 64-Jährigen und gemeinsame Ausflüge die Kosten übernommen habe, samt der Hotelausgaben für einen Fahrer. „Warum sollte ich das alles machen, wenn ich korrumpiert wurde?“, fragte Glaeseker spitz.

Sowohl er als auch Schmidt stellten sich gegen die Aussagen Wulffs bei der Staatsanwaltschaft, wonach der Ex-Präsident nichts von den Aufenthalten Glaesekers in den Schmidt-Domizilen gewusst und das Sponsorenwerben kritisch gesehen haben will. „Ich hätte das nie ohne Wissen und Zustimmung des Ministerpräsidenten gemacht“, beteuerte sein früherer Sprecher. Und Schmidt stellte klar: „Wulff war von diesem Engagement unterrichtet und hat die Bemühungen gutgeheißen“. Mehr noch: Der Ex-Präsident habe sogar aktiv mitgewirkt.

Und mit Süffisanz wurde die angeblich mangelnde Kenntnis Wulffs von Ferienaufenthalten am Mittelmeer gekontert. So sei Ex-Gattin Christiane drei Mal und Tochter Annalena zwei Mal mit von der Partie gewesen. Diese habe dem Papa sogar telefonisch bedeutet, man sei gerade „mit Vera und Olaf bei Manfred“.

Die vorsitzende Richterin war in einer ersten mehrstündigen Vernehmung bemüht, mit bohrenden Fragen zu klären, warum seinerzeit bei den Nord-Süd-Dialogen offenkundig ohne nähere Ermittlung des Finanzbedarfs in derart großem Umfang Sponsoren zu Spenden animiert wurden, dass letztendlich dem Veranstalter Schmidt unter dem Strich mindestens 891 000 Euro als Gewinn verblieben sein sollen.

Diesen und anderen Fragen will das Gericht in den nächsten Wochen nachgehen und dabei auch eine Reihe prominenter Zeugen aufrufen. Der Prozess dürfte bis in das Frühjahr dauern.


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