Prozess ab Montag Pikant: Wulff als Zeuge bei Glaeseker

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Vor Gericht: Wulffs Ex-Sprecher Olaf Glaeseker. Foto: dpaVor Gericht: Wulffs Ex-Sprecher Olaf Glaeseker. Foto: dpa

Hannover. Parallel zum Verfahren gegen den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff beginnt am Montag vor dem Landgericht Hannover auch der Korruptionsprozess gegen dessen langjährigen Sprecher und Vertrauten Olaf Glaeseker.

Anders als Wulff, der „nur“ wegen Vorteilsnahme angeklagt ist, muss sich Glaeseker wegen Bestechlichkeit verantworten. Dem 52-Jährigen wird zur Last gelegt, dem Partymanager Manfred Schmidt bei der Sponsorensuche für die Promi-Treffs „Nord-Süd-Dialog“ intensiv geholfen und dafür im Gegenzug kostenlose Ferienaufenthalte und Freiflüge erhalten zu haben.

Laut der 134 Seiten umfassenden Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Hannover soll Glaeseker zum Vorteil von Schmidt Sponsorengelder in einem Gesamtumfang von über 600 000 Euro eingeworben haben. Nicht zuletzt dadurch sei es dem Veranstalter der Prominententreffen gelungen, unter den Strich 871 000 Euro als Verdienst einzustreichen. Allein beim letzten Nord-Süd-Dialog 2009 am Flughafen Hannover soll Glaeseker rund 43 Prozent der Sponsorenmittel organisiert haben.

Schmidt „belohnte“ den damaligen Sprecher der niedersächsischen Landesregierung nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft, indem er für Glaeseker neun Ferienaufenthalte in Südfrankreich und Spanien sowie 19 Freiflüge im Wert von 12 000 Euro spendierte.

Doch der langjährige Wulff-Vertraute bestreitet diese Korruptionsvorwürfe energisch. Er beteuerte in bisherigen Aussagen, Schmidt nicht etwa wegen Gegenleistungen beim Nord-Süd-Dialog unterstützt zu haben, sondern allein aus freundschaftlichen Motiven. Den Partymanager und Glaeseker verbindet demnach bereits über viele Jahre hinweg eine tiefe Freundschaft, die sich auch in häufigen gegenseitigen Besuchen niederschlage. Im Rahmen dessen sei er auch wiederholt in den Privathäusern von Schmidt in Frankreich und Spanien zu Gast gewesen.

Prominente Zeugen

Erwartet werden zu dem Prozess eine Reihe prominenter Zeugen. Im Gespräch sind zum Beispiel EU-Kommissar Günther Oettinger, der als frühere Ministerpräsident in Stuttgart einer der Schirmherren des Promitreffs zwischen Niedersachsen und Baden-Württemberg war, die Fernsehmoderatorin Sabine Christiansen, Niedersachsens Ex-Regierungschef David Mc Allister – und Christian Wulff, dem Glaeseker als Sprecher sowohl im Amt des Ministerpräsidenten als auch des Staatsoberhauptes in Berlin diente.

Die Vernehmung von Wulff –laut dpa vermutlich im Februar– verspricht besonders pikant zu werden. Das freundschaftliche Verhältnis zwischen dem Spitzenpolitiker und Glaeseker war zwischenzeitlich in die Brüche gegangen; Wulff trennte sich im Dezember 2011 abrupt von seinem engsten Wegbegleiter.

Und mehr noch: In einer Aussage gegenüber der Staatsanwaltschaft belastete er Glaeseker eher, indem er beteuerte, von den Aufenthalten Glaesekers bei Schmidt nichts gewusst und das Sponsorenwerben für den Nord-Süd-Dialog nicht befürwortet zu haben.

Mit Spannung wird nun erwartet, ob der frühere Präsident bei diesen Aussagen bleibt oder aber eine Korrektur vornimmt. So gilt es als wenig wahrscheinlich, dass Wulff von Stippvisiten des Ehepaares Glaeseker auf den Schmidt-Anwesen in Südfrankreich und Spanien nichts wusste – zumal auch mal Wulffs Ex-Frau und seine Tochter mit von der Partie gewesen sein sollen.


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