Angeklagten widersprochen Zeugin: Christian Wulff war Groenewolds Gast

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Herzlich begrüßte Christian Wulff am Donnerstag im Gerichtssaal einen Justizbediensteten. Foto: dpaHerzlich begrüßte Christian Wulff am Donnerstag im Gerichtssaal einen Justizbediensteten. Foto: dpa

Hannover. Im Wulff-Prozess hat die frühere Sekretärin des Berliner Filmunternehmers David Groenewold am Mittwoch der Version der beiden Angeklagten widersprochen, dass jeder für Übernachtungen während des Oktoberfestes 2008 im „Bayerischen Hof“ selbst aufkommen sollte.

Die 63-Jährige schilderte vor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts Hannover, dass sie damals im Auftrag Groenewolds Zimmer unter anderem auch für den seinerseitigen Ministerpräsidenten Christian Wulff und dessen Gattin Bettina gebucht habe. Auch seien eine Baysitterin für Wulffs Kind und Plätze in einem Restaurant reserviert worden.

„Klar war, dass die Kosten von David Groenewold übernommen werden“, sagte die Sekretärin. Sie habe gedacht, Wulff sei sein Gast.

Keine Antwort hatte die 63-Jährige allerdings auf die Frage parat, wie die Groenewold-Gäste dann bei der Buchung als „Selbstzahler“ eingestuft wurden. Tatsächlich hatte der damalige niedersächsische Ministerpräsident einen Großteil seiner Rechnung selbst beglichen; ein Teil war –angeblich ohne Wulffs Wissen– vorab von Groenewold übernommen worden.

Wulff wird zur Last gelegt, im September 2008 Vergünstigungen von Groenewold in Höhe von 753,90 Euro in Anspruch genommen und dafür im Gegenzug Unterstützung für ein Filmprojekt des Unternehmers geleistet zu haben. Darauf stützt sich die Anklage der Vorteilsnahme beziehungsweise Vorteilsgewährung.

Wulff hatte , wie seine ehemalige Sekretärin als Zeugin schilderte, das letzten September-Wochenende 2008 lange für den Oktoberfestbesuch als privat reservieren lassen. Als Code für solche Zwecke nutzte man seinerzeit in der Staatskanzlei laut Sekretärin den Begriff „MP (für Ministerpräsident, die Red.) in Brandenburg“. Weil er dann jedoch kurzfristig noch eine Visite beim CSU-Parteitag und ein Gespräch mit Verleger Hubert Burda ins Programm nahm, konnte Wulff die Übernachtungen dienstlich abrechnen.

Der Prozess wird an diesem Donnerstag mit weiteren Zeugenvermehmungen fortgesetzt. Bis April sind 22 Verhandlungstage anberaumt.


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