Nur acht private Standorte Kirche dominiert Krankenhaus-Markt im Nordwesten


Osnabrück. Bei Krankenhäusern ist die Kirche Marktführer in Nordwest-Niedersachsen. Rund 40 der insgesamt 64 Kliniken sind in kirchlicher Trägerschaft. Doch worin unterscheiden sich die Betreiber im Namen des Herrn von ihrer privaten oder öffentlichen Konkurrenz?

Sie wollen an ihren Patienten kein Geld verdienen – zumindest nicht so viel wie die Mitbewerber. „Gewinne gehen komplett ins Unternehmen und nicht an Gesellschafter oder Aktionäre“, sagt Roland Knillmann. Er ist Sprecher der Niels-Stensen-Kliniken, eines christlichen Krankenhausverbandes in und um Osnabrück. Knillmann ergänzt: „Wenn wir gut sind, erzielen wir zwei bis drei Prozent Rendite. Das Geld geht aber nicht an den Bischof, sondern wird reinvestiert.“

Die Kirche zählt zu den sogenannten freigemeinnützigen Trägern. Das können auch das Deutsche Rote Kreuz oder Stiftungen sein. Ihnen allen gemein ist, dass sie größtenteils steuerbefreit sind. Das heißt: Die meisten Krankenhäuser im Nordwesten zahlen keine Umsatz-, Gewerbe- oder Grundsteuer. Private und damit gewinnorientierte Träger werden vom Fiskus sehr wohl zur Kasse gebeten. Im Raum Weser-Ems sind das acht Standorte. Prominentestes Beispiel dabei ist der Paracelsus-Konzern mit Hauptsitz in Osnabrück.

Hinzu kommen in der Region 14 Kliniken in öffentlicher Hand. Sie werden von Kommunen, Landkreisen oder aber dem Bund betrieben. Letzteres gilt für das Bundeswehrkrankenhaus in Westerstede. Die Dominanz der Kirche im Nordwesten ist ungewöhnlich: Laut Deutscher Krankenhausgesellschaft entfällt im bundesweiten Vergleich nämlich etwa ein Drittel auf die jeweilige Trägerschaftsform.

Ein Punkt, in dem sich der Nordwesten aber nicht vom Rest des Landes unterscheidet, ist die schwierige Lage der Krankenhäuser. Und das unabhängig vom Betreiber, denn in der Krise sind irgendwie alle gleich: Paracelsus beispielsweise als privater Träger einigte sich erst kürzlich mit der Gewerkschaft Verdi auf eine Art Nottarifvertrag, um die wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu überbrücken.

Bei den öffentlichen sorgt das städtische Klinikum in Osnabrück immer wieder für Schlagzeilen . Bis Ende 2014, so haben die Verantwortlichen ausgerechnet, werden mehr als 40 Millionen Euro benötigt, um laufende Zahlungen zu decken. Die Stadt soll als Bürge geradestehen.

Und auch die Freigemeinnützigen haben zu kämpfen. Die Niels-Stensen-Kliniken stünden zwar auf einem „soliden wirtschaftlichen Fundament“, so Sprecher Knillmann. „Ich gehe aber nicht davon aus, dass wir dieses Jahr Gewinn machen.“ Schlimmer steht es da schon um andere kirchliche Häuser: In Löningen und Emstek (Kreis Cloppenburg) gingen die Menschen etwa auf die Straße, um für den Erhalt ihrer Kliniken zu protestieren.

Eine Standortgarantie gibt es nämlich auch dann nicht, wenn die Kirche der Träger ist. Markus Jüngerhans, Geschäftsführer des „ Katholischen Krankenhausverbandes der Diözese Osnabrück “ – einer Art Interessenvertretung der kirchlichen Standorte im Bistum –, formuliert es so: „Auch kleine Häuser müssen wirtschaftlich gesund laufen. Ein katholischer Träger kann es sich nicht leisten, Häuser über Jahre zu subventionieren.“

Die Frage muss erlaubt sein: Was passiert aber, wenn ein Krankenhaus mangels Wirtschaftlichkeit geschlossen wird? Ein Beispiel: Wird die einzige Klinik in einem Landkreis dicht gemacht, müsste eben dieser Landkreis einspringen. Denn die stationäre Versorgung ist ebenso wie die Müllabfuhr oder der Wasseranschluss Teil der sogenannten Daseinsvorsorge. Der Landkreis müsste daher sicherstellen, dass seine Anwohner Zugang zu einem Krankenhaus haben - im Notfall müsste er als öffentlicher Träger die bis dato private oder freigemeinnützig betriebene Einrichtung übernehmen.

Zu Schließungen ist es im Nordwesten seit Längerem nicht mehr gekommen. In Zeiten der Krise rücken die Träger zusammen. Die Niels-Stensen-Kliniken sind ein Beispiel, der kreisübergreifende Klinikverbund Corantis ein weiteres. Dazu gehört auch das Christliche Krankenhaus Quakenbrück . Eines der wenigen Häuser, die noch schwarze Zahlen schreiben. Laut Geschäftsführer Heinrich Titzmann hängt das mit der engen Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern im Umland zusammen. „So vermeiden wir kostspielige Doppelstrukturen.“ Ein Weg, den Titzmann auch seinen Kollegen empfiehlt. „Wer das nicht anpackt, der wird aus der Krise nicht herauskommen“, warnt er.


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