Rekordergebnis Pillen, Drogen und Exoten: Über 36.000 Anrufe im Giftzentrum

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Vorsicht, giftig ... Foto: NOZVorsicht, giftig ... Foto: NOZ

Göttingen. Medikamente, Drogen, Reinigungsmittel, Pilze und andere Nahrungsmittel. Und nicht immer klappt es mit Anwendung, Dosierung und Zubereitung: Mehr als 36000 Anfragen haben die Berater des Giftinformationszentrums-Nord in Göttingen im vergangenen Jahr beantworten.

Dies sind so viele nie zuvor seit der Gründung im Jahr 1995. Knapp die Hälfte der Anfragen kamen aus Niedersachsen. Das Giftinformationszentrum-Nord ist 24 Stunden täglich unter der Nummer 0551/19240 zu erreichen.

Die Anfragen erreichten die Giftexperten aber nicht nur per Telefon: 147 Anfragen kamen per Brief, Fax oder Mail, sechs Mal suchten die Betroffenen das Zentrum direkt und persönlich auf. Etwa jeweils zur Hälfte suchten nach dem jetzt vorgelegten Jahresbericht Bürger und medizinisches Fachpersonal den Rat der Experten. Das der Universitätsmedizin Göttingen angegliederte Zentrum ist für die Bundesländer Bremen, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein zuständig. Anfragen kamen aber auch aus Südafrika, Chile und China.

Die Zahl der monatlichen Anfragen im Giftinformationszentrum-Nord schwankte 2012 zwischen 2512 im Dezember und 3460 in Oktober. Sind es also Pilze, die die Mehrzahl der Verdachtsfälle bilden? Keineswegs: Die meistgenannte Vergiftungsursache waren Arzneimittel (11866), gefolgt von chemischen Produkten (8882) und Pflanzen (2808). Pilze wurden nur in 480 Fällen als mögliche Ursache dingfest gemacht.

Nimmt man die Anfragen in Göttingen als Maßstab, besteht in den ersten vier Lebensjahren das höchste Vergiftungsrisiko, und zwar ganz besonders durch Arzneimittel, Chemikalien und Pflanzen. In genau dieser Reihenfolge. Auch die 20- bis 49-Jährigen sind noch recht häufig Opfer von Vergiftungen. Pflanzen spielen als Ursache in dieser Altersgruppe kaum noch eine Rolle. Dafür aber der Drogenmissbrauch. Bei Frauen ist nach der Statistik das Vergiftungsrisiko etwas größer als bei Männern.

Die große Mehrzahl der Vergiftungen passieren im Haushalt. Besonders sicher sind - zumindest aus der toxikologischen Perspektive - Justizvollzugsanstalten. Nur 17 Mal wurde dieser sehr spezielle Aufenthaltsort als Vergiftungsort registriert.

Über zwei Drittel der Vergiftungsfälle fallen in die Kategorie „unbeabsichtigt“. Von den beabsichtigten Vergiftungen wurden die meisten in Selbstmordabsicht zugefügt. 17 dem GIZ Nord im Jahr 2012 bekannt gewordene Vergiftungen endeten tödlich, sechs der Opfer wohnten in Niedersachsen.

Neben den üblichen Verdächtigen tauchen aber immer wieder auch „Exoten“ in der langen Liste der Vergiftungsmöglichkeiten auf: Zum Beispiel eine vorher in Mitteleuropa unbekannten Fischvergiftung mit Namen „ Ciguatera “. Sie führt zu Magen-Darm-Problemen und zu einer Störung des Heiß-Kalt-Empfindens. Die Globalisierung des Nahrungsmittelhandels begünstige die Verbreitung.

Hauptaufgabe des Giftinformationszentrums-Nord ist die Beratung im akuten Vergiftungsfall. Die Arbeit des Zentrums wurde 2012 zu 70 Prozent von den vier Vertragsländern bereitgestellt, 30 Prozent wurden über Kooperationsvereinbarungen mit Unternehmen oder über die Beantwortung institutioneller Anfragen erwirtschaftet. (mit dpa)


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