Sparpläne in Niedersachsen Lehrer der Region verzichten auf Klassenfahrt-Protest

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Klassenfahrten sind an manchen Gymnasium bis auf Weiteres abgeblasen. Foto: ImagoKlassenfahrten sind an manchen Gymnasium bis auf Weiteres abgeblasen. Foto: Imago

Osnabrück/Meppen. An mindestens 15 Schulen in Niedersachsen wird mit der Absage von Klassenfahrten gegen Mehrarbeit protestiert. Auch in der Region brodelt es – zu Streichungen soll es vorerst aber nicht kommen.

„Bei uns wird es keinen Boykott geben, weil es zulasten der Schüler geht“, sagt Hartmut Bruns, Leiter des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums (EMA). Jedoch sei diese Möglichkeit unter den Kollegen diskutiert worden, so Bruns. Viele Klassenfahrten oder Sportveranstaltungen hätten an seiner Schule auch einen pädagogischen Hintergrund. Er kritisiert, dass durch die Mehrstunde die Unterrichtsversorgung nach oben gehe, ohne dass neue Lehrer eingestellt würden „Gerade in unserem Beruf ist die psychische Belastung enorm.“ Deshalb sei es auch ungerecht, dass die Altersermäßigung für Lehrer ab 55 Jahren gestrichen wird.

Am Graf-Stauffenberg-Gymnasium (GSG) sei ebenfalls über einen Boykott gesprochen worden. Das Kollegium habe sich aber dagegen entschieden, da ein solcher Schritt „unsere Arbeit schädigen“ würde, sagte Schulleiter Josef Krotzek. Krotzek flüchtete sich angesichts der geplanten Mehrarbeit in Sarkasmus: „Unser Dienstherr scheint unsere Arbeit nicht zu schätzen.“ Wie sein Kollege Bruns glaubt er, dass die Wertschätzung von Lehrern in der Öffentlichkeit sehr gering ist. Auch das gaben beide Pädagogen als Grund für eine Entscheidung gegen einen Boykott an.

Im Emsland sorgt die Entscheidung der Landesregierung an vielen Schulen für Ärger. Konkrete Pläne zum Boykott der Klassenfahrten gibt es jedoch noch nicht. „Die Stimmung im Kollegium ist gereizt“, sagt Michael Heuking, Leiter des Gymnasiums Haren. Für seinen Kollegen am Meppener Marianum, Leo Pott, handelt es sich um „eine Lohnkürzung durch die Hintertür“. Allerdings haben beide wie auch Norbert Schlee-Schüler vom Kreisgymnasium St. Ursula in Haselünne „noch nicht von Tendenzen gehört“, dass Lehrer am Boykott teilnehmen wollen.

Ähnlich sehen es die Schulleiter im südlichen Emsland. Derzeit gebe es „keine konkreten Pläne, freiwillige Zusatzarbeiten oder Klassenfahrten deswegen zu streichen“, sagt Manfred Heuer, Leiter des Georgianums in Lingen. Auch am Franziskusgymnasium gebe es diesbezüglich keine Pläne. Lehrer der Schule waren jedoch ebenso wie Kollegen vom Leoninum in Handrup bei der zentralen Demonstration in Hannover dabei.

Rebellischer ist die Stimmung im Norden des Emslandes. Beim Lehrerkollegium am Gymnasium Papenburg soll in einer Personalversammlung die bislang freiwillig geleistete Mehrarbeit zur Diskussion gestellt werden. Dass das Zusatzangebot über Klassenfahrten und Arbeitsgemeinschaften nicht mehr aufrecht zu erhalten sei, sagt auch Kerstin Helmes vom Personalrat des Gymnasiums in Werlte. Denn, so Helmes: „Eine Stunde mehr Unterricht, bedeutet auch eine Stunde mehr Vor- und Nachbereitungszeit.“ Am Hümmling-Gymnasium in Sögel soll bis auf Weiteres das bestehende Angebot erhalten werden.

Am Gymnasium Nordhorn sei die „Bitterkeit im Kollegium sehr hoch“, sagt Schulleiterin Monika Woltmann. Sie fragt sich, ob die Entscheidungsträger eigentlich wüssten, was „außerschulische Aktivitäten“ seien. Einen Pauschalbeschluss für Boykotte gebe es aber noch nicht.


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