Bahnverkehr normalisiert sich Aufräumen nach dem Orkantief „Christian“

Von dpa

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Hannover/Bremen. Busse und Bahnen rollen wieder an. Nach dem Orkan mit einem Todesopfer in Niedersachsen hat das große Aufräumen begonnen. Die Schadenshöhe ist noch nicht abzusehen.

Nachdem sich Orkan „Christian“ ausgetobt hat, hat das große Aufräumen begonnen, es wird damit begonnen, Schäden zu reparieren. Wie hoch der materielle Schaden landesweit ist, kann derzeit niemand sagen. Einen Überblick über die Schadenssumme gebe es noch nicht, sagte die Sprecherin der Hannover Rück-Gruppe, Gabriele Handrick: „Das ist noch viel zu früh.“ Es werde noch einige Zeit dauern, bis die Versicherungen einen Überblick haben.

Arbeiter der Bahn gingen am Dienstag mit Hochdruck daran, die gesperrten Strecken funktionstüchtig zu bekommen. Nach und nach wurden die Verbindungen wieder freigegeben, sagte eine Sprecherin der Bahn AG in Hamburg. Einige Bahnstrecken konnten zunächst allerdings nur eingleisig befahren werden, wie etwa die Strecke zwischen Bremen und Hannover.

Der Regio-S-Bahn-Verkehr zwischen Bremen und Bremerhaven war wegen Unwetter-Schäden am Dienstag gesperrt, teilte der Betreiber Nordwestbahn mit. Zwischen Bremen-Burg und Bremerhaven fuhren Busse, ebenso auf der Strecke von Nordenham nach Bremen zwischen dem Abschnitt Berne und Hude. Ersatzbusse pendeln auch zwischen Oldenburg und Bad Zwischenahn.

Besonders hart hatte der Orkan die Insel Borkum in die Zange genommen. Mit Rekordwerten von 191 Stundenkilometern waren die Böen durch den Ort gefegt und hatten sämtliche größeren Bäume abrasiert. „Es war beängstigend, draußen rumzulaufen“, berichtete Derk Akkermann vom Heimatverein. „Ziegel und Solaranlagen flogen von den Dächern, und ganze Giebel wurden eingedrückt.“ Am Strand riss der Sturm alle Imbissbuden und sogar die Wachttürme der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) aus den Verankerungen und wirbelte sie durch den Sand. „Die Touristen waren sprachlos und staunten“, sagte Akkermann.

Gedrückte Stimmung herrscht in Greetsiel, wo seit Montag eines der Wahrzeichen Ostfrieslands in Trümmern liegt. Der Orkan hatte eine der beiden Zwillingsmühlen erfasst und ihre schwere Kappe, die Galerie und den Flügel auf die Erde geschmettert. Das meistfotografierte Motiv des idyllischen Fischerdörfchens wurde quasi geköpft.

Müller Frank Schoof vom Greetsieler Mühlenverein ist geschockt: „Wir haben mit Entsetzen gesehen, dass sich die Mühle trotz angezogener Bremse gedreht hat. Die Bremse hatte sich gelöst, weil ein Eisenhaken unter der Gewalt des Sturmes aufgebogen wurde. Die Ringbremse aus Holz fing schon an zu qualmen, so groß war die Reibungshitze.“ Eine Stunde später brach dann die Kappe ab. Auf rund 250 000 Euro schätzte Schoof den Schaden an der 1856 erbauten Mühle, die erst 2006 eine neue Kappe und den Flügel bekommen hatte. Nun soll der Wiederaufbau durch Spenden finanziert werden, denn der Verein hat seine Eigenmittel nach früheren Restaurierungsarbeiten aufgebraucht. Versichert war die Mühle nicht.

Allein in einer Kleinstadt wie Leer waren von Montag auf Dienstag 750 Anrufe in der Leitstelle des Kreises eingegangen, Helfer rückten zu 350 Einsätzen aus. Zumindest beim Hochwasserschutz brachte der Orkan keine Probleme: Die Küstenschutzbauwerke auf dem Festland und auf den Inseln blieben intakt, und die Wasserstände bei der Südwestwindlage stiegen nur um einen Meter über das mittlere Tidehochwasser.


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