Fangen statt töten Kompromiss für Katzenproblem auf Borkum

Von dpa

Bei der umstrittenen Jagd auf Katzen im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer soll nun auf das Töten der Tiere verzichtet werden. Foto: dpaBei der umstrittenen Jagd auf Katzen im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer soll nun auf das Töten der Tiere verzichtet werden. Foto: dpa

Borkum. Wildernde Katzen sind ein großes Problem für gefährdete Vogelarten auf den ostfriesischen Inseln. Nachdem auf Borkum zum Abschuss der Tiere aufgerufen wurde, hagelte es Proteste. Nun könnte ein Kompromiss für Frieden auf der Urlaubsinsel sorgen.

Bei der umstrittenen Jagd auf Katzen im Nationalpark Wattenmeer soll nun auf das Töten der Tiere verzichtet werden. Stattdessen sollen die Katzen mit Fallen gefangen, kastriert und auf dem Festland ausgesetzt werden. Die Nationalparkverwaltung hatte die Jäger auf den ostfriesischen Inseln zunächst aufgerufen, wildernde Katzen nach geltendem Jagdrecht zu erlegen. Damit sollten gefährdete Vogelarten geschützt werden, die als Bodenbrüter schnell zur Beute von Tieren wie Katzen und Ratten werden.

Der Aufruf zum Töten der Tiere Anfang Oktober hatte zu Protesten, Boykottaufrufen und empörten Leserbriefen geführt. Neben der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven war auch die Stadt Borkum unter Beschuss geraten. Bundesweit hagelte es Proteste von Tierschützern, der Urlaubsinsel wurde mit Boykott von Touristen gedroht.

„Aber wir mussten etwas tun, und die Jagd auf wildernde Katzen ist vom Gesetz gedeckt, nicht nur hier im Landkreis Leer“, sagte Gundolf Reichert. Er betreut bei der Nationalparkverwaltung das Projekt Life des Landes Niedersachsen und der EU zum Schutz von Wiesenvögeln.

Nach grober Schätzung sollen mindestens 100 verwilderte Katzen im unbewohnten und weit abgelegenen Dünenteil der Insel ihr Unwesen treiben. Ein Dutzend Fallen, die zweimal täglich kontrolliert werden müssen, soll die Tiere bei der Jagd auf Uferschnepfen, Wachtelkönige und Bekassinen stoppen. Der Borkumer Tierschutzverein will von den Jägern die Katzen übernehmen und kastrieren lassen. Danach sollen sie an 20 ausgesuchten Stellen am Festland ausgesetzt werden.

Bisher wurden erst fünf Katzen in Fallen gefangen und ins Tierheim gebracht. Pro Tier kommen bis zu 130 Euro Kosten für die Kastration auf den Verein zu, er braucht dringend Spenden. „Das Problem ist der Mensch“, sagte Mitarbeiterin Birgit Koenen, „ein Haustier kostet Zeit und Geld. Wenn jeder Katzenbesitzer kräftig Alimente für seine nicht kastrierte Katzen zahlen müsste, wäre das Problem nicht da.“

Bei nur wenig Ausweichquartieren auf dem Festland scheint eine dauerhafte Lösung für Borkum noch nicht gefunden. Noch weniger aussichtsreich sehen die Naturschützer im ostfriesischen Wattenrat die Praxis auf der Insel Langeoog: Dort sollen Katzen erst gefangen, kastriert und dann wieder freigelassen werden. „Die gehen aber dann weiter auf Katzenjagd“, sagt Wattenrat-Sprecher Manfred Knake. Er sieht in dem Konflikt zwischen Tierschutz und Artenschutz eine tiefgreifende Naturentfremdung: „Tierschutzvereine rechnen die tatsächlichen Vogelverluste durch Katzen klein“, sagte er.


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