Bei Mathe und Naturwissenschaften Schulleistungsvergleich: Niedersachsen nur Durchschnitt

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Schüler arbeiten an einem Projekt. Foto: dpaSchüler arbeiten an einem Projekt. Foto: dpa

Osnabrück. Ihre soziale Herkunft macht für Mathematikschüler in Niedersachsen den geringsten Unterschied in ganz Deutschland aus. Besser rechnen kann trotzdem der Osten. Der Lehrerverband meint: Das „schwierige Migrantenklientel“ führt im Westen zu schlechteren Schulleistungen.

Wer als Schüler in Deutschland Eltern mit einem hohen sozialen Status hat, ist den Jugendlichen aus schwächer gestellten Familien im Fach Mathematik bis zu drei Jahren voraus. Aber nicht so in Niedersachsen. Das geht nach der Analyse unserer Zeitung aus dem neuen Schulleistungsvergleich der Bundesländer hervor.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) stellte den Test, an dem sich bundesweit über 44.000 Schüler aus den neunten Klassen aller Schulformen beteiligten, am Freitag offiziell vor. In der Studie heißt es: „In Niedersachsen als einzigem Land ist im Fach Mathematik eine signifikant geringere Differenz als in Deutschland insgesamt zu beobachten, wenn man sozial schwächer und sozial besser gestellte Jugendliche vergleicht.“

Mitarbeiter des ländereigenen Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Berliner Humboldt-Universität hatten dafür im Mai und Juni 2012 mehr als 1300 Schulen im gesamten Bundesgebiet besucht. Neben den Tests wurden auch Interviews mit Schülern, Fachlehrern und Schulleitern zur Lernsituation gemacht.

Mit Blick auf die Leistungen in Mathematik und den Naturwissenschaften liegt Niedersachsen jedoch lediglich im Durchschnitt: Bei Biologie, Chemie und Physik liegt das Land knapp darüber, in Mathe zeigt sich eine leichte Tendenz nach unten. Dies könnte an den unterschiedlichen Schularten liegen. Denn offenbar schneidet das niedersächsische Gymnasium nicht so besonders gut ab. In der Studie heißt es, dass in sieben Ländern - darunter das norddeutsche Flächenland - die Werte im Fach Mathematik bei dieser Schulform „als signifikant unterdurchschnittlich zu klassifizieren“ ist.

Andererseits sind innerhalb von Niedersachsen die Leistungen der Schüler im Vergleich zu anderen Bundesländern regional sehr ausgewogen verteilt. Es gibt kaum Unterschiede innerhalb des Landes bei der sogenannten Leistungsstreuung.

Der Deutsche Lehrerverband (DL) sieht die Unterschiede im Schulleistungsvergleich auch in der abweichenden regionalen Verteilung von Migranten begründet. In einem Gespräch mit unserer Zeitung sagte DL-Präsident Josef Kraus: „Der Westen hat es auch mit einer schwierigen Migrantenklientel zu tun, während im Osten generell weniger Migranten leben. Meist stammen sie dort aus Vietnam und sind mitunter sogar besser in der Schule.“

Kraus forderte vor allem die im Vergleich schlecht abschneidenden Stadtstaaten dazu auf, sich die Bildungspolitik von Sachsen, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg zum Vorbild zu nehmen. „Wir brauchen mehr Unterrichtsstunden, zentral verbindliche Abschlussprüfungen bereits zum Mittleren Schulabschluss und eine höhere Verbindlichkeit der Lehrpläne.“ Bundesweit einheitliche Standards lehnte er indes ab. „Der Zentralismus würde nur in die Abwärtsspirale führen. Wir brauchen den Wettbewerb durch den Föderalismus.“

Mit Blick auf die in der Studie belegte hohe Abhängigkeit von Schulerfolg und sozialer Herkunft betonte der DL-Präsident: „Das deutsche Bildungssystem ist sozial durchlässiger als angenommen. Es gibt etwa 50 Wege zum Hochschulzugang und das Gymnasium ist nur einer davon.“

Allerdings ist der Erfolg in der Schule immer auch mit der Motivation der einzelnen Schüler verknüpft - ganz gleich welcher Herkunft. Und da zeigen sich laut der Studie zwischen den Fächern große Unterschiede. „Die Fächer Mathematik und Biologie sind vergleichsweise beliebt, wohingegen das Interesse an Chemie und Physik geringer ausfällt“, schreiben die Autoren. Hier gibt es große Differenzen zwischen den Geschlechtern: „Vereinfacht ausgedrückt unterschätzen Mädchen ihre Fähigkeiten in den Fächern Chemie und Physik erheblich.“


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