Notstand bei Pflege in Niedersachsen 2020 werden 25.000 Pflegefachkräfte fehlen

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In Rollstühlen sitzen pflegebedürftige Senioren in einem Aufenthaltsraum in einem Altenheim in Hannover. Der Pflegenotstand in Niedersachsen spitzt sich zu. Nach Schätzungen des Sozialministeriums braucht das Land bis 2020 rund 25.000 zusätzliche Fachkräfte. Foto: dpaIn Rollstühlen sitzen pflegebedürftige Senioren in einem Aufenthaltsraum in einem Altenheim in Hannover. Der Pflegenotstand in Niedersachsen spitzt sich zu. Nach Schätzungen des Sozialministeriums braucht das Land bis 2020 rund 25.000 zusätzliche Fachkräfte. Foto: dpa

Osnabrück. Das niedersächsische Sozialministerium schlägt Alarm: Bis 2020 braucht das Land 25000 zusätzliche Pflegefachkräfte. Wo die aber herkommen sollen, weiß niemand so genau. Verschärft wird das Problem durch die bundesweit geringsten Pflegesätze in Niedersachsen.

Die Branchenverbände zeigten sich am Montag einig: Es steht schlimm um die Pflege . „Und es wird noch alles dramatisch schlimmer“, so Henning Steinhoff, der die Landesgeschäftsstelle des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) in Hannover leitet. Allein seinem Verband gehören in Niedersachsen 1000 private Pflegedienstleister an. „Schon jetzt fehlt jedem Mitgliedsunternehmen mindestens eine Fachkraft“, sagt Steinhoff.

Gleichzeitig steigt aber die Zahl der Pflegebedürftigen in Niedersachsen. Die letzte Statistik dazu stammt aus dem Jahr 2011. Demnach waren bereits zum damaligen Zeitpunkt 270400 Menschen pflegebedürftig. Bis 2020 soll die Zahl laut Sozialministerium auf 326100 Pflegebedürftige ansteigen.

Laut Landesamt für Statistik ist die Zahl der Betroffenen im Raum Weser-Ems besonders hoch: Von 1000 Menschen sind 42 pflegebedürftig. Landesweiter Spitzenreiter ist das Emsland mit 60 Pflegebedürftigen auf 1000 Einwohner.

Die einhellige Forderung von Branchen- und Sozialverbänden: Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, müssten die Pflegesätze in Niedersachsen angehoben werden. „Hier liegen die Entgelte durchschnittlich 20 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Dies wirkt sich natürlich negativ bei den Gehältern aus“, teilte ein Sprecher des Sozialministeriums mit. „Darunter leiden auch die Patienten“, sagte Adolf Bauer, niedersächsischer Landeschef vom Sozialverband Deutschland.

Zum Vergleich: 2012 lagen die Zuschüsse in Niedersachsen für die Pflegestufe zwei bei 72,50 Euro pro Pflegetag, in Baden-Württemberg hingegen bei 87 Euro. Bereits im März hatte das Ministerium in Hannover angekündigt, die Sätze zu erhöhen – bislang ohne Konsequenzen.

Viele Anbieter suchen mittlerweile nach Personal im Ausland , auch die Caritas in der Diözese Osnabrück – Marktführer im Raum Weser-Ems in Sachen Pflege – hatte das versucht. Allerdings vergeblich Ute Sommer, Leiterin des Geschäftsbereichs Pflege erklärt. Das Interesse von polnischer Seite sei sehr gering gewesen.

Bleibt den Anbietern nur der heimische Markt. Doch der ist leer gefegt. Laut Arbeitsagentur dauert es derzeit 120 Tage, eine offene Stelle für eine Pflegefachkraft zu besetzen.


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