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27.09.2013, 12:13 Uhr

Airport Twente droht ein Millionen-Grab zu werden

Ein Kommentar von Michael Clasen


<em>Jetzt doch:</em> Im niederländischen Enschede wollen Investoren 2016 den Regionalflughafen Airport Twente eröffnen. In Niedersachsen und Westfalen stößt das Projekt wegen seiner Nähe zum Flughafen Münster/Osnabrück und befürchteten Fluglärms auf Kritik. Foto: dpaJetzt doch: Im niederländischen Enschede wollen Investoren 2016 den Regionalflughafen Airport Twente eröffnen. In Niedersachsen und Westfalen stößt das Projekt wegen seiner Nähe zum Flughafen Münster/Osnabrück und befürchteten Fluglärms auf Kritik. Foto: dpa

Osnabrück. Braucht es an der deutsch-niederländischen Grenze einen weiteren Regionalflughafen? Nein. Das Projekt Airport Twente ist ein wirtschaftlicher Crash mit Ansage, der beim Flughafen Münster/Osnabrück schmerzhafte Spuren hinterlassen könnte. Ein Kommentar.

Enschede ist schön. Aber muss jedes Tulpenfeld einen eigenen Airport bekommen?

Seit Jahren gibt es Pläne, das ehemalige NATO-Gelände zu einem Regionalflughafen umzubauen. Doch bislang schreckten alle Investoren zurück – vor allem wegen der Nähe zum Flughafen Münster/Osnabrück. Zwei internationale Airports in 50 Kilometer Entfernung zueinander machen einfach keinen Sinn – zumal schon der bestehende Airport unter einem Rückgang der Fluggastzahlen leidet. Über den Wolken mag die Freiheit grenzenlos sein, am Boden gelten jedoch die Gesetze des Marktes. Deshalb ist es erstaunlich, dass niederländische Finanzinvestoren nun tatsächlich das Wagnis Airport Twente ernsthaft angehen wollen. 60 Millionen Euro wollen sie nach eigenen Angaben investieren. 2016 soll der Betrieb losgehen. Das ist mutig.

Sollten die ehrgeizigen Pläne realisiert werden, bekäme der FMO neben Dortmund, Paderborn und Bremen einen weiteren Konkurrenten in unmittelbarer Nachbarschaft. Das ist unschön. Alle sprechen von einem zusammenwachsenden Europa. Doch weder die Bürokraten in Brüssel noch die Euregio vor Ort schaffen es, ein Überangebot an Lande- und Startbahnen zu verhindern. Leider ist das aber nicht allein ein europäisches Problem, sondern sogar ein innerdeutsches. Bestes Beispiel: das Millionen-Grab Kassel-Calden . Dort wurde mit Lust und Laune viel Steuergeld verbuddelt. Mit dem Ergebnis, dass an dem Geisterflughafen bis heute kaum ein Flieger landet. Bei der Eröffnung mussten die Fluggäste sogar zum benachbarten Flughafen Paderborn gefahren werden, weil keine Fluggesellschaft für die wenigen Passagiere in Kassel-Calden landen wollte.

Wird der Airport Twente ein ähnliches Schicksal ereilen? Vieles spricht dafür. Doch bitter wäre es, wenn ein unfairer Wettbewerb entstehen und Twente mit Dumpingpreisen dem FMO eines Tages Flugstrecken abwerben würde. Dann wäre ein Stück Europa vereint – vereint im Schuldenmachen.


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