Projekt in Niedersachsen Studenten vergeben Pokal für Wahlbeteiligung

Von dpa

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Die Studenten Timo (20, l-r), Steven (29) und Fabian (20) verteilen Broschüren für den Wahlpreis-Wettbewerb. Die Initiative will der Wahlbeteiligung in Niedersachsen mit einem Pokal und einem Preisgeld Schub verleihen. Foto: dpaDie Studenten Timo (20, l-r), Steven (29) und Fabian (20) verteilen Broschüren für den Wahlpreis-Wettbewerb. Die Initiative will der Wahlbeteiligung in Niedersachsen mit einem Pokal und einem Preisgeld Schub verleihen. Foto: dpa

Hannover. Bundesweit versuchen Initiativen und Projekte, die Wähler an die Urnen zu locken. In Niedersachsen wollen drei Politikstudenten der Wahlbeteiligung mit einem Pokal und Preisgeld Schub verleihen.

Steven Tümler steht in der hannoverschen Fußgängerzone und verteilt Flyer. Am Infostand hinter ihm weht ein purpurfarbenes Banner. «Überparteilich» steht darauf. «Mir macht es Spaß, mit Anarchisten zu diskutieren», meint der 29-Jährige. Die seien einfach extrem politisch interessiert, begründet er. «Am schrecklichsten sind diese Wohlstandsdemokraten, die nicht wählen, weil sie so zufrieden sind», meint der Student.

Der Bremer Politikwissenschaftler Lothar Probst rechnet mit einer ähnlich niedrigen Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl wie vor vier Jahren - damals hatte die bundesweite Beteiligung mit 71 Prozent ein historisches Tief erreicht. Besonders die Themenarmut drücke die Zahl der Wähler, meint Probst. «Die Parteien suchen krampfhaft nach Themen, aber weder Prism noch Mindestlöhne haben gezündet.»

Drei seiner Studenten wollen den Wahlberechtigten nun Beine machen. Mit ihrer Wahlpokal-Initiative setzen sie auf den Wettbewerbsgedanken. «Wie im Sport», erklärt Steven Tümler. Alle 32 Wahlkreise in Niedersachsen und Bremen treten gegeneinander an. Der Kreis mit der höchsten Beteiligung darf für die nächste Legislaturperiode erstmalig einen Wander-Wahlpokal entgegennehmen und sich Wahlkreis des Jahres nennen. Als Favorit geht der Kreis Harburg im Süden Hamburgs mit 77,9 Prozent im Jahr 2009 ins Rennen.

Engagement in der IG Metall

Die drei Bremer Projektinitiatoren studieren nicht nur Politik, sie sind auch aktiv. Steven Tümler engagiert sich in der IG Metall, sein Kommilitone Fabian Wesselmann ist bei den Grünen, Timo Albeshausen besitzt ein CDU-Parteibuch. «Wir haben am eigenen Leib gespürt, dass die Gruppe der Nichtwähler immer größer wird», sagt Albeshausen. Beim Pokalwettbewerb arbeiten sie überparteilich zusammen. «Wir sind sehr demokratieverliebt», meint Tümler.

In der Woche vor der Wahl touren die drei Initiatoren durch Niedersachsen und werben am Infostand um Stimmen, ganz gleich für welche Partei. Neben dem Pokal haben die drei Politikstudenten ein Preisgeld von 1000 Euro für kreative Aktionen zur Steigerung der Wahlbeteiligung ausgeschrieben. Sie haben eine Homepage gebaut, Schulen angeschrieben und sich Politiker ins Boot geholt. Der niedersächsische Landtagspräsident Busemann ist einer davon, niedersächsische Spitzenkandidaten wie Philipp Rösler (FDP) und Sigmar Gabriel (SPD) werben mit ihrem Konterfei für den Pokal.

Im Kampf um die Kreuze verzichten die Studenten auf die Semesterferien. «Schon drei Hausarbeiten sind liegengeblieben», erzählt Albeshausen. Dafür ist die Resonanz aus der Politik groß. Mehr als 150 Direktkandidaten unterstützen die Aktion. «Jede Initiative ist ein kleiner Mosaikstein, damit dieses hohe Gut nicht zu einer kleinen Münze verkommt», lobte der Bremer Bürgerschaftspräsident Christian Weber die Studenten. Und am Ende könnte auch das Studium vom Wahlpokal profitieren. «Da lässt sich einiges draus machen, vielleicht in der Bachelorarbeit», sagt Professor Probst.


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