Kultusministerin prüft Reformen Flexibles Abi an jedem Gymnasium?

Von Hans Brinkmann

Die Diskussion um das sogenannte Turbo-Abi ist neu entfacht. Nun steht ein neuer Vorschlag zur Debatte: Schüler sollen entscheiden dürfen, ob sie nach acht oder neun Jahren auf dem Gymnasium zur Prüfung antreten.  Foto: dpaDie Diskussion um das sogenannte Turbo-Abi ist neu entfacht. Nun steht ein neuer Vorschlag zur Debatte: Schüler sollen entscheiden dürfen, ob sie nach acht oder neun Jahren auf dem Gymnasium zur Prüfung antreten. Foto: dpa

Hannover. In Niedersachsen rücken Modelle mit einer flexiblen Schulzeit bis zum Abitur zunehmend in den Fokus. In einem Interview mit unserer Zeitung nannte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) am Dienstag ein „Abitur im eigenen Takt“ als eine denkbare Alternative zum aktuellen und heftig umstrittenen „Turbo-Abi“ nach acht gymnasialen Unterrichtsjahren. Früher dauerte die Schulzeit bis zur Reifeprüfung am Gymnasium neun Jahre (G9).

Beim „Abi im eigenen Takt“ sollen die Schüler wählen können, ob sie die Reifeprüfung an ihrem Gymnasium nach der zwölften oder der dreizehnten Klasse absolvieren möchten. Die Weichen dafür sollen organisatorisch ab einem bestimmten Schuljahrgang – eventuell der neunten oder der zehnten Klasse – gestellt werden.

Die Ministerin erklärte, das „Abitur im eigenen Takt“ werde gegenwärtig als eine von drei Varianten in einem Dialogforum untersucht. Die anderen Modelle sehen ein Festhalten am Turbo-Abi bei gleichzeitiger Entlastung der Schüler sowie eine Rückkehr zu einem allerdings neu gestalteten G9 vor.

Heiligenstadt, die keine Präferenz für eines der Modelle zu erkennen gab, schloss eine gesetzliche Neuregelung schon zum Schuljahrsbeginn 2014/15 nicht aus. Allerdings werde es keinen Zeitdruck geben. Eine klare Absage erteilte die SPD-Politikerin aber schon jetzt einer Mischlösung, wonach sich ein Teil der Gymnasien für G8 und ein anderer für G9 entscheiden könnte.

Unterdessen präsentierte die FDP-Landtagsfraktion ein eigenes Konzept für eine Abi-Reform. Es sieht ebenfalls vor, an jedem Gymnasium das Abitur nach den Klassen zwölf und dreizehn zu ermöglichen.

Nach den FDP-Plänen sollen Schüler nach dem zehnten Jahrgang wählen können, ob sie in zwei Jahren zur Reifeprüfung kommen wollen oder im elften Jahrgang in einer Grundlagenphase Erlerntes wiederholen möchten, um sich für das Abi nach Klasse 13 fit zu machen. Die zweite Variante komme nicht zuletzt auch für Besucher der Oberschule in Betracht.

Betont wurde, dass Lerninhalte auf die gesamte Schuldauer gestreckt werden sollten, um gerade im Sekundarbereich I Druck abzubauen.

Heiligenstadt reagierte auf das FDP-Modell zurückhaltend. Sie verwies auf die Expertengruppe; dort könnten alle konstruktiven Vorschläge eingebracht und beraten werden.

Ebenfalls auf Flexibilität setzt ein Vorschlag der Gewerkschaft GEW. Er sieht vor, die gymnasiale Oberstufe so variabel zu gestalten, dass ein Abitur zwischen zwei oder vier Jahren machbar sei. Der Verband NiedersachsenMetall begrüßte hingegen den Vorstoß der FDP ausdrücklich. Das Modell mit Senkung der Stundenzahl in der Sekundarstufe I und Einführung einer Grundlagenphase in Klasse 11 gehe in die richtige Richtung und solle als wichtiger Impuls verstanden werden.