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Zum Abschied viel Wehmut Für 41 Landtagsabgeordnete war gestern der letzte Tag

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Mit Süßigkeiten und einer Schüssel mit Gurken und Tomaten wurde gestern in den Reihen der Opposition der bei der Wahl angepeilte Machtwechsel beschworen.Foto: dapdMit Süßigkeiten und einer Schüssel mit Gurken und Tomaten wurde gestern in den Reihen der Opposition der bei der Wahl angepeilte Machtwechsel beschworen.Foto: dapd

Hannover. Hans-Werner Schwarz war ganz mulmig zumute. „Ich dachte, ich könnte souveräner damit umgehen. Aber das geht mir doch sehr nahe“, bekannte der Landtagsvizepräsident. Für den FDP-Politiker hieß es gestern wie für 40 weitere Abgeordnete, Abschied vom Niedersächsischen Landtag zu nehmen. Nach teils jahrzehntelanger Parlamentsarbeit treten sie zur Wahl nicht wieder an.

Zu den Ausscheidenden gehört auch der nach dem Protokoll ranghöchste Vertreter Niedersachsens: Landtagspräsident Hermann Dinkla (CDU). Der 69-Jährige aus Westerholt im Kreis Wittmund hatte 1994 zum ersten Mal ein Mandat errungen. „Es war eine Zeit, die ich nicht missen möchte“, sagte Dinkla, der sich künftig vermehrt seiner Familie und Freunden widmen möchte. Und eine Belastung muss er dann nicht mehr bewältigen: fast täglich die 270 Kilometer per Auto zwischen Wittmund und Hannover zu pendeln.

Dinklas Stellvertreter Dieter Möhrmann (SPD) brachte es sogar auf eine 27-jährige Zugehörigkeit zum Parlament. Als der Schneverdinger sich gestern mit einem kurzen Beitrag von seinen Kollegen verabschiedete, hatte er sogar die Zahl seiner Reden parat: 536-mal war Möhrmann als Abgeordneter „in die Bütt“ gegangen.

Auch Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) präsentierte eine bemerkenswerte Zahl: In den 23 Jahren seiner Parlamentsangehörigkeit habe er knapp 700 Tage „in diesem wunderschönen fensterlosen, aber denkmalgeschützten Raum verbringen dürfen“, beschrieb der Hildesheimer seine Aufenthaltsdauer im Plenarsaal. Dass ihn seine Fraktionskollegen mit „Standing Ovations“ feierten, berührte den ansonsten kühlen Minister schon: „Ich wusste gar nicht, wo ich hingucken sollte.“

Ein anderer „alter Hase“ räumte ebenfalls starke Emotionen ein: „Meine Stimme hat vibriert“, beschrieb Wolfgang Jüttner (SPD) seine Empfindungen während einer allseits mit Beifall bedachten Abschiedsrede. 27 Jahre hatte der Hannoveraner im Parlament verbracht – zum Teil als Umweltminister, als Fraktionschef und 2008 als Ministerpräsidentenkandidat. „Meine Zeit ist hier jetzt vorbei“, konstatierte Jüttner nüchtern. Wie er, machten auch andere ausscheidende Abgeordnete deutlich, dass der Wehmut sich bei ihnen deswegen in Grenzen hält, weil sie selbstbestimmt und nicht zwangsweise das Parlament verlassen. „Das stand für mich seit Jahren fest“, betonte etwa der Meller CDU-Abgeordnete Ernst-August Hoppenbrock.

„Es war richtig, jetzt auszusteigen“, versicherte auch Ex-Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU), der gleich gestern persönliche Bilder aus dem Büro ausräumte: Fotos, die ihn mit dem Papst und Bill Clinton zeigen, aber auch ein Porträt von Helmut Kohl mit persönlicher Widmung.

Ebenfalls gelassen nahm SPD-Fraktionschef Stefan Schostok seinen Abschied. „Ich konzentriere mich jetzt ganz auf die Wahl zum Oberbürgermeister von Hannover“, sagte er.

Für manche Abgeordnete endete die Amtszeit aber eher betrüblich. So konnte Karin Stief-Kreihe (SPD) aus Meppen wegen schwerer Erkrankung nicht teilnehmen. Und einigen Mandatsträgern merkte man Verbitterung an, weil sie nicht wieder für das Parlament nominiert worden waren.


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