zuletzt aktualisiert vor

500 neue Objekte in 10 Jahren 2500 Wracks und Hindernisse vor Deutschlands Küste: Zahl steigt

Von Dirk Fisser


Osnabrück. Der frühe Morgen des 19. Mai 1960: Im dichten Nebel kollidiert der schwedische Frachter „Monga Barra“ mit einem englischen Tanker südwestlich von Norderney. Bis heute sind die Spuren dieses Unfalls am Meeresgrund der Nordsee zu sehen. Die „Monga Barra“ sank. Eines von Tausenden Wracks und Hindernissen vor Deutschlands Küsten – jedes Jahr werden es mehr.

2500 Objekte in Nord- und Ostsee sind es nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) mittlerweile. Allein in den vergangenen zehn Jahren seien 500 dazugekommen. Darunter seien Steine, Container, Anker, ein Bagger und eben auch Schiffswracks wie das der „Monga Barra“.

Die versank 1960 nicht vollständig. Nach einem Bericht unserer Vorgängerzeitung „Neue Tagespost“ versuchte Kapitän Patriksson das leckgeschlagene Schiff in seichtere Gewässer zu lenken – vergeblich. Mit dem Bug voran sank der mit VW Käfern beladene Frachter auf den Grund der Nordsee. Deck und Aufbauten ragten aber weiter aus den Fluten. Eine Bergung wurde schnell verworfen, sodass Sprengstoff den Rest besorgen musste: Die 1945 gebaute „Monga Barra“ ging komplett unter.

Auf den Sonaraufnahmen des BSH ist über ein halbes Jahrhundert später nur noch ein brauner Fleck zu sehen, der sich etwas vom Meeresgrund abhebt. Immer mal wieder schauen die Experten vorbei und gucken, ob sich an der Position auch nichts verändert hat.

Denn Aufgabe der Behörde ist es, die deutschen Hoheitsgewässer im Auge zu behalten. Würde Gefahr für die Schifffahrt von dem Wrack ausgehen, müssten die entsprechenden Stellen informiert werden, damit die Kapitäne eine Warnung erhalten.

Neben den bekannten Wracks werden aber immer wieder neue Objekte entdeckt, die in Wirklichkeit gar nicht so neu sind, wie Thomas Dehling vom BSH erklärt. „Unsere Messverfahren werden immer besser“, sagt der Referatsleiter für Seevermessung. Dementsprechend würden die Suchschiffe des BSH Gegenstände entdecken, die bislang einfach nur nicht bekannt gewesen seien. Ein Großteil der Objekte liege am Grund der Nordsee innerhalb der Ausschließlichen Wirtschaftszone. Hier seien etwa 1500 Gegenstände verzeichnet, in der Ostsee seien es dagegen rund 1000. Per Sonar orten die Fachleute die Objekte. Um Gefahren für die Schifffahrt auszuschließen, müsste die geringste Wassertiefe festgestellt werden, so Dehling. Reiche das Sonar dazu nicht aus, kämen auch Taucher und Unterwasserfahrzeuge zum Einsatz.

Die ermittelten Daten gingen dann an die zuständigen Behörden, in aller Regel zuerst an die Wasser- und Schifffahrtsämter, aber auch an Archäologen, wenn historische Wracks am Meeresgrund vermutet würden. Ob das Objekt geborgen werden müsse, entscheide letztlich das zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA).

Auch in der Emsmündung bei Emden finden sich am Grund zahlreiche Objekte. Darunter laut BSH zahlreiche Tjalks, ein Großsegler oder aber ein Flugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg. Das liegt zerschellt unter der Wasseroberfläche und stellt dementsprechend keine Gefahr für Schiffe da, die passieren. Daher hält die zuständige WSA Emden eine Bergung für unnötig.


0 Kommentare