"Rest der Republik" Wölfin erschossen: Wird die geheime Jagd ein Fall fürs Gericht?

Ein Wolf in einem Wildgehege: In freier Wildbahn indes sorgen die Raubtiere immer wieder für Probleme. In Niedersachsen ist zuletzt eine Fähe geschossen worden. Ärger ist programmiert.Ein Wolf in einem Wildgehege: In freier Wildbahn indes sorgen die Raubtiere immer wieder für Probleme. In Niedersachsen ist zuletzt eine Fähe geschossen worden. Ärger ist programmiert.
Boris Roessler/dpa

Osnabrück. Die Jagd auf das sogenannte Herzlaker Rudel war eines der bestgehüteten Geheimnisse in Niedersachsen. Wochenlang versuchten Jäger einen speziellen Wolf aus dem Rudel zu erlegen – und erschossen dann eine Wölfin. War das rechtens? Das wird möglicherweise ein Gericht klären müssen.

Denn Wolfsfreunde haben angekündigt, Anzeige zu erstatten: gegen den unbekannten Schützen aber auch gegen Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD). An ihm war es vergangene Woche, den Abschuss der Fähe bekannt zu geben.

Eine Fähe? Genehmigt war die Tötung eines männlichen Tieres und zwar nicht irgendeines, sondern des Wolfes mit der Kennung GW1111m. Seine DNA konnte zuvor bei verschiedenen Nutztier-Rissen in den vergangenen Monaten im Raum Emsland, Osnabrück, Cloppenburg sichergestellt werden. Er gilt sozusagen als Haupttäter.

500 tote Nutztiere durch ein Rudel

Rund 500 Nutztiere soll das Rudel in jener Region allein seit September 2018 getötet haben. Zäune hielten die Raubtiere dabei nicht auf. Bereits 2020 sollte eine Fähe aus dem Rudel geschossen werden. Doch die entsprechende Genehmigung erlosch, die Wölfin überlebte den bürokratischen Akt.

Ob es sich bei der jetzt bei Dunkelheit getöteten Fähe um ebenjenes Tier handelt, ist unklar. Die Ergebnisse der entsprechenden DNA-Untersuchungen hat das Umweltministerium noch nicht kommuniziert. Die Art und Weise der Probennahme aber ist bemerkenswert. Nach Informationen unserer Redaktion wurde die Fähe zunächst geschossen, der Kadaver zügig abtransportiert und dann an einem anderen Ort weiter untersucht.

Geheimsache Wolf

Warum der Aufwand? Jägerschaft und Behörden wollen unter allen Umständen verhindern, dass Rückschlüsse auf den Schützen möglich sind. Das Umweltministerium begründet dies mit dem Schutz der Schützen vor fanatischen Tierrechtlern. In der Vergangenheit soll es zu Bedrohungen und Einschüchterungen aus diesem Personenkreis gekommen sein.

Auch deswegen werden in Niedersachsen Abschussgenehmigungen - in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sollen derzeit keine aktiv sein - wie die zur Tötung von GW1111m geheim gehalten. Die Öffentlichkeit soll nicht erfahren, welcher Wolf wo derzeit geschossen werden darf. Grüne und Umweltschützer kritisieren die Geheim-Jagd. So entziehe man sich einer gerichtlichen Überprüfung, monieren sie.

Wo wird noch gejagt?

Bekannt sind drei weitere Genehmigungen: für zwei Wölfe im Landkreis Uelzen sowie eine für einen Problemwolf in der Region Rodewald, der seit nunmehr zwei Jahren vergeblich gesucht wird. Im Fall des Herzlaker Rudels sollen vorerst keine weiteren Wölfe getötet werden – zumindest so lange nicht, wie keine weiteren Nutztiere in der Region getötet werden.

Am Donnerstag steht nun der Wolf wieder einmal auf der Tagesordnung des Landtags. Die Parlamentarier in Niedersachsen – das Bundesland zählt zu denjenigen mit den meisten Wolfsrissen in Deutschland – soll darüber debattiert werden, ob und wie die Verbreitung des Raubtieres im Land gestoppt werden muss.

Umweltminister Lies zählt zu den Befürwortern einer Regulierung des Wolfsbestandes. Der SPD-Minister weiß den Koalitionspartner von der CDU an seiner Seite. Martin Bäumer, umweltpolitischer Sprecher seiner Fraktion, sagt: "Einen mit 30 Prozent pro Jahr wachsenden Wolfsbestand hält man auf Dauer nicht mit Zäunen oder Herdenschutzhunden in Schach. In unserer Kulturlandschaft muss der Bestand mit regelmäßigen Entnahmen reguliert werden."

Der neue Newsletter "Rest der Republik" gibt den Bürgerinnen und Bürgern in der Fläche eine Stimme, indem er Themen aus dem Blickwinkel der Berliner Blase löst und sie aus anderer Perspektive betrachtet. Dieser Artikel gehört zur aktuellen Ausgabe:

Während am Donnerstag im Plenum diskutiert wird, soll draußen vor den Landtagstüren eine Mahnwache in Erinnerung an die erschossene Fähe stattfinden, heißt es. Schon am Mittwochmorgen war der Wolf indes Thema: Lies sprach im Umweltausschuss des Landtages vor. Worum es ging? Auch das ist geheim. Die Sitzung war nicht-öffentlich.


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