Parteien CDU-Vize Breher: Als Quereinsteigerin an die Parteispitze

Von dpa

Silvia Breher, Bundestagsabgeordnete der CDU.Silvia Breher, Bundestagsabgeordnete der CDU.
Michael Kappeler/dpa

Berlin. Seit einem Jahr steht Silvia Breher als Vizevorsitzende der CDU im Rampenlicht - ein Weg, der sich lange nicht abgezeichnet hatte. In der „Berliner Blase“ sieht sie sich als Stimme des normalen Lebens.

Silvia Breher fällt auf im CDU-Vorstand: Mit ihrer wasserstoffblonden Undercut-Frisur sticht die 47-Jährige heraus aus der Riege der grauen Anzüge, für die die Partei in weiten Teilen immer noch steht, Kanzlerin Angela Merkel und CDU-Bundeschefin Annegret Kramp-Karrenbauer zum Trotz. „So bin ich, und zwar schon lange. Das ist ein Teil von mir“, sagt Breher. Vor einem Jahr wurde die Anwältin als Vizechefin der CDU gewählt, nach dem Wechsel von Ursula von der Leyen an die Spitze der EU-Kommission. Der ungeschriebene regionale Proporz sah vor, dass auf eine Niedersächsin eine Niedersächsin folgt.

Medial ist Breher seither im Vergleich zu ihren Amtskollegen - Volker Bouffier, Julia Klöckner, Armin Laschet und Thomas Strobl - eher wenig in Erscheinung getreten. Ihre Rolle im CDU-Präsidium sieht sie vor allem als Stimme der Basis, als Vertreterin des Alltags. „Ich bin an der Basis sicher noch ganz anders vernetzt als Kollegen, die schon eine ganze Weile in politischen Spitzenämtern sind“, erzählt Breher und verweist auf ihre drei Kinder und den damit verbundenen Familienalltag. „Die Sicht der Menschen vor Ort ist unfassbar wichtig für die eigene Balance der Entscheidungen. Je länger man sich in der Berliner Blase befindet, desto weiter ist man von der Wahrnehmung der Menschen entfernt.“

Aufgewachsen ist Breher auf einem Bauernhof in Lindern bei Cloppenburg, in die Politik kam sie erst spät. „Ich bin als totale Quereinsteigerin in die Politik gekommen“, sagt sie selbst. Von 2000 bis 2011 arbeitete sie als selbstständige Rechtsanwältin und vertrat dabei vor allem Handwerker in Fragen des Baurechts. Anschließend engagierte sie sich auf Kreisebene im Landvolk, dem niedersächsischen Bauernverband, bevor sie 2017 im Wahlkreis Cloppenburg-Vechta, einer CDU-Hochburg, in den Bundestag gewählt wurde.

Zwei Jahre später folgte ihr Aufstieg zur Vizechefin der Partei, gewählt mit 82 Prozent der Stimmen auf dem Bundesparteitag in Leipzig. Niedersachsens CDU-Landeschef Bernd Althusmann würdigte sie damals als „starke Persönlichkeit“, die „den Menschen Politik vermitteln und klare Ziele vorgeben“ könne.

Dass es in der CDU besonders schwer sein soll, sich als Frau durchzusetzen, kann Breher nicht bestätigen. „Ich kann nur von meinen Erfahrungen berichten: Ich bin nicht behindert worden, sondern habe mich im Wahlkreis gegen drei Männer durchgesetzt. Das wurde mir nicht geschenkt“, sagt sie - ergänzt aber auch: „Wir brauchen den Kompromiss für die Frauenquote in der CDU, davon bin ich sehr überzeugt.“ Über den Plan zur Einführung und schrittweisen Anhebung dieser Quote bis 2025 soll der nächste Bundesparteitag entscheiden.

Doch der verzögert sich coronabedingt immer weiter, und damit ebenso die Antwort auf die Frage, wer der neue Parteichef wird. Es bewerben sich Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet, Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz und der Außenpolitiker Norbert Röttgen. Dass die lange Personaldebatte, die die CDU eigentlich vermeiden wollte, der Partei schadet, glaubt Breher allerdings nicht: „Es war richtig, sich als Partei in der Pandemie zurückzustellen und unseren Job zu machen.“

Ihre eigene Zukunft im Vorstand hänge ohnehin nicht davon ab, wer den Vorsitz von Annegret Kramp-Karrenbauer übernimmt, betont Breher, die als Unterstützerin der scheidenden Chefin gilt: „Ich verstehe mich mit Annegret sehr gut, allerdings mit vielen anderen auch.“

Fragen nach ihren politischen Ambitionen über das Amt in der Partei hinaus, etwa in der Bundestagsfraktion, blockt Breher ab. „Ich habe keinen Masterplan. Wir haben gerade riesige Herausforderungen zu bewältigen. Alles Weitere kommt später, darüber mache ich mir heute keine Gedanken.“

Einen Blick auf den kommenden Bundestagswahlkampf 2021, bei dem sie ihr Direktmandat verteidigen will, wirft sie dagegen schon jetzt. „Es geht im Kern darum, den Wandel der Wirtschaft angesichts von Digitalisierung und Klimafragen so zu gestalten, dass es weiterhin Arbeitsplätze gibt, die den Menschen eine gute Lebensgrundlage bieten“, sagt sie. Corona habe diesen Wandel in einigen Bereichen beschleunigt. „Deshalb geht es nicht nur darum, die Arbeitsplätze zu sichern, die jetzt in Kurzarbeit sind, sondern wir müssen Perspektiven für den Standort Deutschland schaffen.“


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