Tarife Nordmetall zu IG Metalls Vier-Prozent-Forderung: Absurd

Von dpa

Eine Fahne der Gewerkschaft IG-Metall wehtEine Fahne der Gewerkschaft IG-Metall weht
picture alliance/dpa/Symbolbild

Hamburg. In einem Monat verhandeln Arbeitgeber und IG Metall Küste wieder. Die Tarifverhandlungen werden nicht einfach. Forderungen der Gewerkschaft hat der Arbeitgeberverband Nordmetall bereits als „absurd“ zurückgewiesen.

Knapp einen Monat vor den beginnenden Tarifverhandlungen für die rund 140 000 Beschäftigten der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie hat die Gewerkschaft IG Metall Küste erste Forderungen festgelegt. Die Tarifkommission habe ein Volumen von vier Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten als Forderung beschlossen, teilte die Gewerkschaft am Dienstag in Hamburg mit. Diese vier Prozent sollen dabei nicht ausschließlich in die Löhne fließen. Stattdessen soll das Geld auch für die Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten genutzt werden. Als Beispiel nannte ein Gewerkschaftssprecher die Vier-Tage-Woche bei partiellem Lohnausgleich oder auch Zukunftstarifverträge mit Produkt-, Investitons- und Standortzusagen.

„Damit wollen wir Arbeitsplätze sichern, in den Betrieben die Zukunft gestalten und die Einkommen der Beschäftigten stärken“, sagte Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste, laut Mitteilung. Das gemeinsame Ziel der Verhandlungspartner müsse es sein, mit allen Beschäftigten durch die Krise zu kommen. Ob die IG Metall Nordküste mit diesen Forderungen in die am 14. Dezember startenden Verhandlungen gehen wird, entscheidet der Vorstand der IG Metall am 26. November.

Für die IG Metall stehen wegen der Corona-Pandemie rund 15 000 bis 20 000 Arbeitsplätze in den norddeutschen Metall- und Elektrobetrieben auf der Kippe - das wäre ungefähr jeder zehnte Arbeitsplatz. Besonders betroffen sind im Norden die Flugzeugindustrie und die Werften sowie deren Zulieferbetriebe. Andere Unternehmen sind wenig oder gar nicht betroffen oder profitieren sogar von Corona, wie der Medizintechnik-Hersteller Dräger.

Bei den Arbeitgebern kommt die geplante Forderung der Gewerkschaft nicht gut an. Sie stoße „auf ungläubiges Staunen und in dieser zugespitzten Form auch auf klare Ablehnung“, teilte der Arbeitgeberverband Nordmetall am Dienstag mit. Es sei gerade mit Blick auf die Rezession seit 2019 und die Corona-Krise „absolut kontraproduktiv und schädlich für die Unternehmen und die Arbeitsplätze, wenn die sowieso schon sehr hohen Arbeitskosten noch weiter steigen würden“, sagte Nordmetall-Tarif-Verhandlungsführerin Lena Ströbele von der Bremer Lürssen-Gruppe laut Mitteilung dazu. Es sei „absurd, höhere Löhne zu fordern, Teile davon mit einer Vier-Tage-Woche zu verrechnen und dies als Beitrag zur Beschäftigungssicherung zu verkaufen“.


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