Agrar Otte-Kinast drängt auf Reduzierung der Schweinezucht

Von dpa

Barbara Otte-Kinast (CDU) im niedersächsischen LandtagBarbara Otte-Kinast (CDU) im niedersächsischen Landtag
NDR/dpa/Archivbild

Hannover. Zu Zehntausenden stauen sich Schweine in niedersächsischen Ställen. In den Schlachthöfe stockt es wegen corona-infizierter Mitarbeiter. Die Branche müsse die Zucht unverzüglich herunterfahren, fordert Ministerin Otte-Kinast. Und sie erarbeitet ein Hilfskonzept.

Angesichts der coronabedingt beschränkten Schlachtkapazitäten hat Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) auf ein Reduzieren der Schweinezucht gepocht. Schweinehalter müssten jetzt sofort ihre Produktion auf den vermutlich länger anhaltenden Engpass bei Schlachtung, Zerlegung und Vermarktung anpassen, sagte Otte-Kinast am Mittwoch im Agrarausschuss des Landtags in Hannover. In der Hoffnung auf eine baldige Normalisierung sei es zum Teil unterlassen worden, die Produktion herunterzufahren. Alleine im September seien noch 400 000 Mastferkel aus Dänemark und den Niederlanden nach Niedersachsen gebracht worden.

Jedes dritte deutsche Schwein stammt aus Niedersachsen: Etwa 5300 Betriebe halten rund 8,3 Millionen Schweine. Wegen der Infektion von Schlachthofmitarbeitern mit dem Corona-Virus kam es zu vorübergehenden Schließungen von Schlachthöfen, außerdem bremst die Afrikanische Schweinepest den Export. Deshalb habe sich in den niedersächsischen Schweinemastbetrieben derzeit ein Überhang von 30 000 bis 40 000 Schlachtschweinen aufgebaut, sagte die Ministerin. Dieser Schweinestau bringt den Tierschutz in den Ställen in Gefahr und lässt Landwirte verzweifeln. Es werde alles daran gesetzt, in dieser Lage Nottötungen von Schweinen zu verhindern, so Otte-Kinast.

Mit einem Bündel an Maßnahmen will das Agrarministerium eine weitere Zuspitzung der Lage in der Branche verhindern. Ihr Ministerium erstelle gerade einen Leitfaden für ein Ampelsystem zur Vereinheitlichung der Entscheidung über Schlachthof-Schließungen. Mit der Hilfestellung können die Landkreise entscheiden, ob ein Schlachthof bei einem Corona-Ausbruch komplett geschlossen oder nur der Betrieb reduziert werden muss, sagte Otte-Kinast. Außerdem prüfe das Sozialministerium eine vorübergehende Ausnahme vom Schlachtverbot an Sonn- und Feiertagen.

Außerdem sollen gesunde Schlachthofbeschäftigte bei einem Infektionsfall im Betrieb in eine sogenannte Arbeitsquarantäne genommen werden können. Das bedeutet, dass sie nur noch zwischen ihrer Arbeit und ihrem Quartier pendeln dürfen, wobei an beiden Orten Infektionsschutzauflagen greifen. So soll eine Ausbreitung von Infektionen unter Beschäftigten verhindert werden und ein Schlachthof möglichst in Betrieb bleiben können.

Die SPD-Agrarexpertin Karin Logemann forderte unterdessen ein generelles Umdenken in der Schweinezucht, über die Notmaßnahmen in der Krise hinaus müsse die Ferkelproduktion verringert werden. Dazu müsse es finanzielle Anreize geben. Außerdem müssten wieder verstärkt kleinere und regionale Schlachtbetriebe geschaffen und die regionale Vermarktung gestärkt werden. Die Grünen-Abgeordnete Miriam Staudte warnte vor einem harten Strukturbruch in der Branche, an dessen Ende wieder einmal die Großen gewinnen. „Dass Ministerin Otte-Kinast bei der jetzt so wichtigen Reduzierung der Ferkelzahlen, weiter auf Freiwilligkeit setzt, ist unverantwortlich.“


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