Aerosolbelastung Warum kauft das Land Niedersachsen keine Luftfilter für Schulklassen?


Christoph Schmidt

Osnabrück. Die Coronazahlen steigen und in zwei Wochen sollen Schüler und Lehrer wieder in den niedersächsischen Klassenzimmern sitzen. Wie sieht es dort mit der Aerosolbelastung aus?

Ende September ließen sich die deutschen Bildungsminister von Experten darüber informieren. Fazit laut Kultusministerkonferenz: Lüften in Schulräumen trägt maßgeblich zur Reduzierung des Infektionsrisikos bei. In Räumen, in denen Fenster nicht komplett geöffnet werden können, könne der Einsatz von Luftreinigungsgeräten „flankierend und in Einzelfällen sinnvoll sein“.

Hat das Land Niedersachsen also für Klassen, in denen Fenster nicht oder nur teilweise geöffnet werden können, Luftfilter bestellt?

Das niedersächsische Kultusministerium verweist auf Anfrage darauf, dass richtiges Lüften die Verbreitung des Virus‘ verringern könne. Man setze auf Stoßlüften oder Durchzug für drei bis fünf Minuten alle zwanzig Minuten. Die Spitzenverbände von Gemeinden, Städten und Kreisen hätten versichert, so ein Ministeriumssprecher, dass sich diese Lüftungsstrategie „weitgehend problemlos umsetzen lasse“. Soweit erforderlich hätten die Schulträger defekte Fenster ausgetauscht oder Kippvorrichtungen so verändert, dass sich Fenster vollständig öffnen ließen. „Können aufgrund baulicher Gegebenheiten Fenster in einem Raum dauerhaft nicht geöffnet werden, ist der Raum für den Unterricht nicht geeignet.“ Fazit zu den Filtern: „Vor diesem Hintergrund stehen zurzeit seitens des Landes keine Finanzmittel für den Kauf von Luftreinigungsmitteln zu Verfügung.“ Das Land sieht also keine Notwendigkeit, Geräte anzuschaffen.

GEW: Oberste Priorität für Gesundheitsschutz

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht das anders. Deren Landesvorsitzende Laura Pooth kritisierte: "Die Aussage, dass sich die Lüftungsstrategie „weitgehend“ umsetzen ließe, bedeutet, dass es immer noch Schulen oder Räume gibt, in denen das eben nicht funktioniert." Das zeige sich leider auch in vielen Rückmeldungen, die die GEW aus Schulen erhalte. "Das Ziel der Spitzenverbände und des Ministeriums müsste in der derzeitigen Situation lauten, dass sie alle Hebel in Bewegung setzen, um aus „weitgehend“ ein „überall“ zu machen", so Pooth. "Das ist das Mindeste, was man von den Verantwortlichen fordern kann: dass der Gesundheitsschutz aller Beteiligten oberste Priorität hat und dass für die Umsetzung der dafür nötigen Rahmenbedingungen die Gelder zur Verfügung gestellt werden."


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