Gewerkschaften IG Metall Küste fordert Beschäftigungsbrücke bis nach Corona

Von dpa

Daniel Friedrich, Bezirksleiter IG Metall Küste.Daniel Friedrich, Bezirksleiter IG Metall Küste.
Christian Charisius/dpa/Archivbild

Hamburg. In der Corona-Krise will die Gewerkschaft IG Metall im Norden vor allem die Beschäftigung sichern. Dazu müsse nicht nur das Kurzarbeitergeld verlängert, sondern auch die Vier-Tage-Woche diskutiert werden. Die Arbeitgeber halten dagegen.

Einige Wochen vor der Tarifrunde in der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall Küste die Sicherung der Beschäftigung in den Vordergrund gestellt. „Wir sehen verschiedene Optionen in den Betrieben“, sagte Bezirksleiter Daniel Friedrich der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. „Dazu kann auch die Vier-Tage-Woche gehören.“ Eine Verkürzung der Arbeitszeit mit einem teilweisen Lohnausgleich wäre als tarifpolitisches Instrument auch anschlussfähig für die kommenden Veränderungen in der Metallindustrie durch die Digitalisierung.

Für die IG Metall stehen wegen der Corona-Pandemie rund 15 000 bis 20 000 Arbeitsplätze in den norddeutschen Metall- und Elektrobetrieben auf der Kippe - das wäre ungefähr jeder zehnte Arbeitsplatz. „Aber es ist eine Blackbox; wir wissen nicht, wann vielleicht ein Impfstoff vorliegt oder es medizinische Behandlungsmöglichkeiten gibt“, sagte Friedrich. Umso wichtiger sei es, eine Beschäftigungsbrücke zu bauen, auch wenn man nicht genau wisse, wie weit das rettende Ufer entfernt sei. Das sei auch besser für die Betriebe. „Sonst würden sie Abfindungen zahlen für Mitarbeiter, die sie vielleicht in drei oder vier Jahren wieder dringend benötigen.“

Besonders betroffen sind im Norden die Flugzeugindustrie und die Werften sowie deren Zulieferbetriebe. Sie können kaum absehen, wie sich die Auftragslage in den kommenden Jahren entwickelt. Andere Unternehmen sind wenig oder gar nicht betroffen oder profitieren sogar von Corona, wie der Medizintechnik-Hersteller Dräger. Wichtig sei zunächst, das Kurzarbeitergeld auf 24 Monate zu verlängern und wie bisher aufzustocken. So lange sollten den betroffenen Firmen Entlassungen untersagt sein. „Fördern und fordern sollte nicht nur für Arbeitslose gelten, sondern auch für Unternehmen, die staatliche Leistungen in Anspruch nehmen“, sagte der IG-Metall-Chef für die Bundesländer Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Die IG Metall will im November ihre Forderungen für die kommende Tarifrunde aufstellen und im Dezember mit den Verhandlungen beginnen. Trotz der Corona-Krise sollen die Beschäftigten nach Ansicht der IG Metall auch eine Lohnerhöhung bekommen - die Monatslöhne seien seit 2018 nicht mehr angehoben werden.

Der Arbeitgeberverband Nordmetall reagierte zurückhaltend auf die Forderungen der IG Metall. „Statt eine neue Tarifrunde mit einer teuren Generalforderung vorzubereiten und sogar Entgelterhöhungen in diesem wirtschaftlich schwierigen Umfeld nicht auszuschließen, sollte die IG Metall die bestehenden tariflichen Krisenmechanismen gemeinsam mit den Arbeitgeberverbänden prüfen und sachgerecht anpassen“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Peter Schlaffke. „Die vorhandenen Regeln könnten schnell und ohne eine größere Tarifauseinandersetzung wieder in Kraft gesetzt werden.“

Die Vier-Tage-Woche könne ein Lösungsansatz sein. Bereits heute sei sie als ein denkbarer Baustein in den Krisenmechanismen des Flächentarifvertrags abgebildet. So sehe der aktuelle Tarifvertrag die Möglichkeit einer betrieblich zu vereinbarenden Arbeitszeitabsenkung auf 28 Stunden bereits vor. Der auch jetzt wieder von der IG Metall geforderte Teilentgeltausgleich führe jedoch dazu, dass dieses Modell praktisch keine Anwendung finde. „Denn entscheidend bleibt gerade in Krisenzeiten, dass die heute schon 30 Prozent über EU-Durchschnitt liegenden Arbeitskosten pro Stunde in Deutschland gesenkt, mindestens aber nicht erhöht werden, auch nicht durch beschäftigungssichernde Maßnahmen“, sagte Schlaffke. 


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