Bildung Studie: „Unzureichende Rahmenbedingungen“ in vielen Kitas

Von dpa

Ein Kind sitzt in einer Kindertagesstätte auf einem Rutschfahrzeug.Ein Kind sitzt in einer Kindertagesstätte auf einem Rutschfahrzeug.
Uwe Anspach/dpa/Archivbild

Gütersloh. Die Lage in vielen Kitas hat sich nach neuen Daten zwar verbessert. Allerdings hinkt Niedersachsen anderen Bundesländern bei der Entwicklung hinterher. Dennoch sieht sich das Kultusministerium Niedersachsen aber auf dem richtigen Weg.

Mehr als die Hälfte der niedersächsischen Kita-Kinder wird laut einer Studie nicht ausreichend betreut. Für rund 64 Prozent der Kinder in amtlich erfassten Kita-Gruppen stand zuletzt nicht genügend Fachpersonal zur Verfügung. Das ist das Ergebnis einer am Dienstag veröffentlichten Auswertung der Bertelsmann Stiftung. Dem „Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme“ zufolge war der Personalschlüssel für rund 158 000 Kita-Kinder im März 2019 nicht kindgerecht.

Demnach betreute in Niedersachsen 2019 eine Fachkraft in Krippengruppen rein rechnerisch durchschnittlich 3,7 Kinder. In Kindergartengruppen waren es demnach acht Kinder. Vor sechs Jahren lag dieser Personalschlüssel bei Krippengruppen noch bei 1 zu 4,2 und bei Kindergarten-Gruppen bei 1 zu 8,7. Es habe zwar eine Verbesserung gegeben, im Vergleich zu anderen Bundesländern sei die Entwicklung aber für die jüngeren Kinder eher mittelmäßig und für die älteren Kinder eher geringer ausgefallen.

Das Kultusministerium verwies am Dienstag auf die bisherigen Anstrengungen. „Wir sind auf dem richtigen Weg, auch wenn dieser noch lang ist“, hieß es in einer Stellungnahme. Niedersachsen liege im Ländervergleich auf mittlerem Niveau - mit erneut steigender Tendenz. Neben anderen Maßnahmen trage das Gute-Kita-Gesetz Früchte, das insgesamt 526 Millionen Euro für Niedersachsen umfasse.

„Wir haben schon viel erreicht, sind aber noch nicht am Ziel angelangt“, so ein Sprecher, der mit Blick auf die Personalausstattung aber auf Verbesserungsbedarf bei den Kindergartengruppen hinwies. Auch der Abbau regionaler Unterschiede in der Kindertagesbetreuung stelle eine Herausforderung dar.

Laut der Studie sind von allen erfassten Kita-Gruppen in Niedersachsen 78 Prozent zu groß. Dies sei der höchste Anteil bundesweit. Was die Qualifikation des Personals betrifft, ist Niedersachsen im Vergleich zu den anderen Ländern aber auf einem mittleren Niveau: Von den gut 54 700 pädagogisch Arbeitenden seien 71 Prozent als Erzieher ausgebildet. Die Bildungsexperten schließen daraus, dass viele Einrichtungen ihren Bildungsauftrag aufgrund unzureichender Rahmenbedingungen nicht oder nur eingeschränkt umsetzen können.

„Die Gruppengrößen und die Personalausstattung sind noch nicht kindgerecht und das Qualifikationsniveau der Fachkräfte zu niedrig“, sagte Kathrin Bock-Famulla von der Bertelsmann Stiftung. Niedersachsen sollte sich in allen Bereichen verbessern. Grundlage des jährlich aktualisierten Monitorings sind Auswertungen von Daten der Statistischen Ämter und weiteren amtlichen Statistiken.


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