Umwelt Greenpeace: Ende der Öl- und Gasindustrie in der Nordsee

Von dpa

Der Schriftzug „Greenpeace“ aufgenommen am neuen Gebäude der Umweltschutzorganisation in der Hafencity in Hamburg.Der Schriftzug „Greenpeace“ aufgenommen am neuen Gebäude der Umweltschutzorganisation in der Hafencity in Hamburg.
Maja Hitij/dpa/Archivbild

Hamburg. Einen schnellen Ausstieg aus der Öl- und Gasindustrie - das fordert Greenpeace 25 Jahre nach dem Wirbel um den Öltank Brent Spar. Nach Ansicht der Umweltschützer hat sich seither zu wenig getan. Sie kritisieren vor allem ein Vorhaben.

Die Umweltorganisation Greenpeace hat ein schnelles Ende der Öl- und Gasförderung in der Nordsee gefordert. „Die Öl- und Gasindustrie befeuert seit Jahrzehnten die Klimakrise und verschmutzt unsere Meere - das muss endlich aufhören“, sagte Greenpeace-Meeresbiologin Sandra Schöttner am Donnerstag bei der Vorstellung des aktuellen Berichts „25 Jahre nach Brent Spar“. „Diese Industrie ist veraltet, gefährlich und gehört nicht in die neue grüne Welt.“

Kritik kam vom Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie in Hannover. Ein zeitnahes Ende der Förderung in der Nordsee würde nur dazu führen, dass die für die Energieversorgung in Europa weiterhin benötigten Öl- und Gasmengen aus anderen Teilen der Welt importiert werden müssten - mit dem zusätzlichen CO2-Fußabduck des Transports aus großen Entfernungen, sagte Hauptgeschäftsführer Ludwig Möhring. Denn klar sei: „Der Ausbau der erneuerbaren Energien wird nur einen graduellen Ausstieg aus Öl und Gas ermöglichen.“ Es gehe darum, das Nebeneinander von erneuerbaren und konventionellen Energien möglichst klima- und umweltschonend zu gestalten. „Hierbei sind Sicherheit und Umweltverträglichkeit und die Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen seit Jahren von zentraler Bedeutung für unsere Industrie“, sagte Möhring.

Greenpeace erklärte, nach wie vor würden die 727 umweltrelevanten Anlagen im Nordostatlantik 30 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen und das Meer mit 9200 Tonnen Öl pro Jahr verschmutzen. „Das entspricht einem jährlichen Tankerunglück nur durch den regulären Betrieb“, heißt es in dem Bericht. Mehr als 95 Prozent dieser Anlagen befinden sich nach Angaben von Greenpeace in der Nordsee. „Die Nordsee ist Industriegebiet, aber sie ist auch ein extrem gestresster Lebensraum“, sagte Schöttner. Die Öl- und Gasindustrie befeuere dies. Mit den Schiffen „Esperanza“ und „Rainbow Warrior“ wollen die Umweltschützer die Zerstörung des Meeres und die Belastung des Klimas durch die Öl- und Gasindustrie nun dokumentieren.

Christian Bussau, Öl-Experte bei Greenpeace, erinnerte an eine Greenpeace-Aktion vor 25 Jahren. Damals besetzten Greenpeace-Aktivisten in der Nordsee den ausgedienten Lagertank Brent Spar. Sie forderten den britischen Ölkonzern Shell auf, auf die geplante Versenkung in der Tiefsee zu verzichten. Die Aktion mobilisierte große Teile der deutschen Öffentlichkeit und führte letztlich zum Erfolg. Shell verzichtete auf die geplante Versenkung und entsorgte die Brent Spar an Land. „Das war einer der größten Erfolge von Greenpeace“, sagte Bussau rückblickend.

Nach Brent Spar haben die Anrainer-Staaten der Nordsee die Versenkung von Ölförderanlagen in einem Abkommen ausgeschlossen. Doch auch ein Vierteljahrhundert später gibt es Streit um die Entsorgung alter Fördertechnik aus dem Brent-Ölfeld nordöstlich der Shetland-Inseln.

Drei seien so genannte Betonplattformen, berichtete Bussau. „Die haben an der Basis am Meeresboden riesige Öltanks und in diesen Öltanks ist ein Rückstand enthalten.“, Dabei gehe es um 11 000 Tonnen Öl. Shell wolle die Sockel der Plattformen Brent B, C und D im Meer lassen und nicht umweltgerecht an Land entsorgen. „Das ist nicht akzeptabel“, kritisierte Bussau. Es könne nicht sein, dass Shell das Meer 25 Jahre nach Brent Spar erneut als Müllkippe missbrauchen wolle.

Nach Ansicht von Shell sind die Risiken der vollständigen Entfernung größer als der Nutzen für die Umwelt. „Die Empfehlungen von Shell für die Außerbetriebnahme des Brent-Feldes sind das Ergebnis von zehn Jahren Forschung und mehr als 300 wissenschaftlichen und technischen Studien“, sagte ein Sprecher der deutschen Tochterorganisation des Shell-Konzerns auf Anfrage. Das Öl fließe nicht und sei schwer zu bewegen. „Shell hat die Empfehlungen erst eingereicht, nachdem wir zu dem Schluss gekommen sind, dass sie sicher, technisch umsetzbar, umweltverträglich sowie sozial und wirtschaftlich verantwortungsvoll sind.“ Wenn die Fundamente in einigen hundert Jahren zerfallen, können die zähen schadstoffhaltigen Sedimente zum allergrößten Teil nach Aussage von Shell langsam biologisch abgebaut werden.


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