Kultur Insolvenzen von Kulturzentren wegen Corona befürchtet

Von dpa

Bernt Wach, Geschäftsführer der Kulturetage in Oldenburg.Bernt Wach, Geschäftsführer der Kulturetage in Oldenburg.
Mohssen Assanimoghaddam/dpa/Archivbild

Hannover. Sie veranstalten Konzerte und Theaterabende, fördern Debatten und lassen sich für private Feiern mieten. Niedersachsens soziokulturelle Einrichtungen bereichern den Alltag, jedoch sind viele aufgrund der Pandemie gefährdet.

In Niedersachsen sind zahlreiche Kulturzentren wegen der Corona-Krise in ihrer Existenz bedroht. Drei Monate hatten soziokulturelle Einrichtungen und Vereine pandemiebedingt geschlossen, die Wiedereröffnung mit weniger Besuchern unter strengen Hygieneauflagen ist für viele nicht wirtschaftlich. „Wir sind in großer Sorge um unsere Mitglieder“, sagte Doris Klüver, Geschäftsführerin des Landesverbands Soziokultur. Die Verluste der über hundert Mitglieder allein während des Shutdowns belaufen sich Klüver zufolge insgesamt auf monatlich eine Million Euro.

Nach Angaben des Kulturministeriums in Hannover stehen über den ersten Nachtragsaushalt zehn Millionen Euro zur Absicherung der niedersächsischen Kultureinrichtungen zur Verfügung, sechs Millionen davon entfallen auf das Corona-Sonderprogramm für gemeinnützige Kultureinrichtungen und Kulturvereine. Weitere Landes- und Bundesprogramme seien in Vorbereitung. Das Land werde versuchen, dauerhafte Schließungen von Kultureinrichtungen zu vermeiden, sagte eine Ministeriumssprecherin.

2018 lagen die Einnahmen der soziokulturellen Einrichtungen landesweit bei mehr als 31 Millionen Euro, 16 Millionen davon erwirtschafteten sie selbst, etwa durch Eintritte, Vermietungen, Kursgebühren und Spenden. Beschäftigt sind in Niedersachsen in der Soziokultur nach Verbandsangaben mehr als 900 Angestellte, davon etwa 400 in Minijobs. Hinzu kommen fast 100 Auszubildende, vier Freiwillige und nahezu 700 Freiberufler. Aus Verbandssicht reichen die bisherigen Hilfsprogramme nicht aus.

Den Geschäftsführer der Kulturetage Oldenburg, Bernt Wach, beschäftigen die Auswirkungen der Corona-Krise derzeit rund um die Uhr. „Mit circa 100 statt 450 Plätzen können wir mit unserem Halle kein Geld verdienen, dann müssen wir Mitarbeiter entlassen“, sagte er. 20 Mitarbeiter seien derzeit in Kurzarbeit und müssten dennoch Berge von Arbeit bewältigen, etwa die Rückabwicklung abgesagter Veranstaltungen. Besonders schlimm sei die Ungewissheit, wie es im Herbst und Winter weitergehe, sagte Wach.

Die Kulturetage Oldenburg erwirtschaftete nach eigenen Angaben bisher 70 Prozent ihrer Einnahmen selbst, die Hildesheimer Kulturfabrik Löseke sogar 80 Prozent. Ein coronabedingt eingeschränkter Betrieb sei nicht kostendeckend, sagte der Geschäftsführer der Kulturfabrik, Stefan Wehner. Weitere Förderprogramme müssten auch die Personalkosten berücksichtigen. Auch von der Sumpfblume in Hameln hieß es, dass es wegen des finanziellen Drucks derzeit schwer bis gar nicht möglich sei, die Mitarbeitenden aus der Kurzarbeit zurückzuholen, um wieder öffnen zu können.


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