Landkreis Emsland Risikogebiet Hohes Zeckenrisiko in Niedersachsen nach dem milden Winter

Von dpa

Ein Warnschild mit dem Piktogramm einer Zecke hängt an einem Baum in einem Wald. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa/ArchivbildEin Warnschild mit dem Piktogramm einer Zecke hängt an einem Baum in einem Wald. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa/Archivbild
Hauke-Christian Dittrich/dpa/Archivbild

Hannover. Seit 2019 gilt der Kreis Emsland als Risikogebiet der von Zecken übertragenen Hirnhautentzündung FSME. Die gute Nachricht 2020: Es gibt keine neuen Risikogebiete. Doch man muss sich überall im Norden vor den Blutsaugern hüten.

Spaziergänger im Wald und auf Wiesen müssen in diesem Frühjahr besonders auf Zecken achten. Grund ist der Winter, der keiner war. Er hat den kleinen Blutsaugern nach Expertenmeinung besonders gute Überlebenschancen geboten. Ein kleiner Teil der ein bis zwei Millimeter großen Spinnentiere überträgt die gefährlichen Krankheiten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose.

„Durch den relativ milden Winter wird die Fortpflanzung von Kleinnagern wie zum Beispiel Mäusen begünstigt“, sagte Holger Scharlach vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt der Deutschen Presse-Agentur. „Da unter anderem Mäuse als Wirtstiere für Zecken fungieren und Zecken generell bei milden Temperaturen besser überwintern können, ist ein Anstieg der Zeckenpopulation in diesem Jahr grundsätzlich möglich“, sagte der Sprecher in Hannover.

Elf Fälle von FSME 2019

Vergangenes Jahr sind seinen Angaben nach in Niedersachsen elf Fälle von FSME verzeichnet worden. Dabei sei in drei Fällen die Ansteckung nicht im Bundesland erfolgt. Die meldepflichtige Viruskrankheit greift die Hirnhaut und das zentrale Nervensystem des Menschen an.

Schwerpunkt in Niedersachsen war mit fünf Infektionen der Landkreis Emsland. Er ist seit 2019 als einziger Kreis im Land als FSME-Risikogebiet eingestuft ist. Es sei davon auszugehen, dass die fünf Patienten sich im Emsland infiziert hätten, sagte Scharlach. Derzeit falle aber kein anderer Landkreis oder keine kreisfreie Stadt unter die Kriterien für ein FSME-Risikogebiet.

Impfung empfohlen

Die Ständige Impfkommission empfiehlt Bewohnern von Risikogebieten oder Besuchern, die dort in Kontakt mit Zecken kommen könnten, sich gegen FSME impfen zu lassen. Einzelne Fälle sind in den vergangenen Jahren auch im Elbe-Weser-Dreieck, in der Region Hannover, im Harz und bei Wolfsburg aufgetreten.

Keine Impfung gibt es gegen die Borreliose. Die Bakterienkrankheit verursacht Rötungen und grippeähnliche Symptome, kann aber auch Herz oder Hirn schädigen. Weil Borreliose nicht meldepflichtig ist, gebe es keine Informationen zu Fallzahlen, sagte Scharlach. „Es wird aber davon ausgegangen, dass Borrelien deutschlandweit und damit auch in Niedersachsen in bis zu 30 Prozent der Zecken vorkommen.“

(Weiterlesen: Wie eine Osnabrückerin noch Jahre später unter einem Zeckenstich leidet)

Die winzigen Tiere lauern im Gras oder auf Zweigen, um auf Menschen oder Säugetiere überzuspringen. Als Schutz gelten festes Schuhwerk, geschlossene Kleidung oder chemische Antizeckenmittel. Nach Spaziergängen sollte man den Körper auf Zecken absuchen. Tiere, die sich bereits festgebissen haben, können mit einer Pinzette oder einer sogenannten Zeckenkarte vorsichtig entfernt werden.


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