Gesundheit Niedersachsen nimmt Lockerungen für Tourismus in den Blick

Von dpa

Ein Schild steht vor der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Foto: Julian Stratenschulte/dpa/ArchivbildEin Schild steht vor der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild
Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild

Hannover. Nächste Woche wollen Bund und Länder über eine Lockerung Beschränkungen auch für den Tourismus beraten. Niedersachsen arbeitet intern bereits an möglichen Schritten, sagt Ministerpräsident Weil.

In vorsichtigen Schritten wollen Bund und Länder die Corona-Beschränkungen weiter lockern und in einer nächsten Etappe vor allem den Tourismus und die Gastronomie in den Blick nehmen. Entscheidungen dazu würden am Mittwoch kommender Woche erwartet, sagten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) nach einem Treffen am Dienstag in Hannover.

Außerdem sollten die Krankenhäuser aufgeschobene Operationen wieder aufnehmen und schrittweise zu einem regulären Betrieb zurückkehren. Über die derzeit mit Coronavirus-Patienten belegten Intensivbetten hinaus solle eine Sicherheitsreserve freigehalten werden, falls die Krankheitszahlen wieder steigen sollten.

Trotz der wieder erhöhten Reproduktionsrate werde am Kurs vorsichtiger Lockerungen festgehalten, betonte Spahn. „Das ist ein wichtiger Faktor, aber auch die absolute Zahl ist wichtig“, sagte der Minister mit Blick auf die Reproduktionsrate und die Gesamtzahl der Erkrankten. „Wir haben eine absolute Zahl erreicht, mit der wir besser umgehen können.“

Mit Blick auf Gastronomie und Tourismus sagte Spahn: „Der 6. Mai ist jetzt das Datum, an dem wir gucken, ob und welchen Schritt wir gehen können.“ Abhängig sei dies von den Infektionszahlen und der strikten Beachtung der Abstands- und Hygieneregeln.

Die Ansteckungsrate mit dem Coronavirus ist in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) zuletzt wieder gestiegen. Laut der am Montagabend veröffentlichten RKI-Statistik steckt jeder Infizierte nunmehr wieder einen weiteren Menschen an, die sogenannte Reproduktionsrate liegt bei 1,0 (Datenstand 27.04. 0.00 Uhr). Das bedeutet, dass die Zahl der Neuerkrankungen nicht mehr leicht zurückgeht wie in den vergangenen Tagen. Niedersachsen verzeichnete allerdings am Dienstag erneut eine nur noch geringe Zahl von Neuinfektionen, seit dem Vortag waren dies 56 auf insgesamt 10 015.

„Jetzt stehen wir am Anfang einer neuen Phase, zur Normalität unter den Bedingungen von Corona zurückzukehren“, sagte Ministerpräsident Weil. Solange es keinen Impfstoff gebe, werde das aber nicht die gleiche Normalität wie vorher sein. Es gehe insbesondere um Handel, Tourismus, Gastronomie und die Kinderbetreuung. „Wir brauchen an dieser Stelle eine Perspektive.“ Niedersachsen treffe intern bereits Vorbereitungen, wie mögliche Lockerungsstufen für den Tourismus aussehen könnten, sagte Weil. Details nannte er noch nicht.

Auch eine Öffnung von Kinderspielplätzen und Kindergärten werde weiter geprüft, sagte Weil. „Das ist eine Frage, die wir nächste Woche klären müssen.“ Weil und Spahn sagten, es brauche dazu noch weiterer wissenschaftlicher Einschätzungen zum Infektionsrisiko von Kindern untereinander, aber auch zur Übertragungsgefahr des Virus von Kindern auf Erwachsene. Die Familien- und Gesundheitsminister seien mit der Thematik beschäftigt, sagte Spahn.

Der Bundesgesundheitsminister betonte, dass die Kliniken nun schrittweise in einen neuen Alltag übergehen sollten. Aufgeschobene Hüft- oder Rückenoperationen oder Tumoroperationen sollten bald in Abstimmung mit den regionalen Möglichkeiten wieder aufgenommen werden. Das Ziel sei, wieder stärker zu einer Regelversorgung mit planbaren Operationen zu kommen und gleichzeitig eine Reserve an Intensivbetten für Corona-Patienten freizuhalten.

Für Niedersachsen sollten Details zur Rückkehr der Kliniken in einen Normalbetrieb noch diese Woche vorgestellt werden, sagte Landesgesundheitsministerin Carola Reimann (SPD). Wichtig sei die Reaktionsfähigkeit, um auch auf einen möglichen Anstieg der Erkranktenzahlen reagieren zu können. Der Verbandsdirektor der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft, Helge Engelke, sagte, dazu sei mit dem Krisenstab der Landesregierung vereinbart worden, 20 Prozent der Intensivbetten als Puffer über die bislang mit Covid-19-Patienten belegte Betten hinaus freizuhalten.


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