Gesundheit Trotz gutem Wetter und offenen Geschäften kein Kundenansturm

Von dpa

Eine Frau mit Mundschutz geht am Schaufenster eines Modegeschäftes in Hannover vorbei. Foto: Peter Steffen/dpa/ArchivbildEine Frau mit Mundschutz geht am Schaufenster eines Modegeschäftes in Hannover vorbei. Foto: Peter Steffen/dpa/Archivbild
Peter Steffen/dpa/Archivbild

Hannover. Wochenlang waren die Geschäfts in der Corona-Krise geschlossen. Jetzt kehren die Kunden in die Städte zurück - aber langsam. Die Stimmung der Geschäftsleute hellt sich auf. Für die Polizei zählt vor allem eines.

Nach Wochen der Schließung kehrt die Shoppinglust vielerorts in Niedersachsen zurück. Einen Kundenansturm allerdings haben die erstmals nach den coronabedingten Schließungen an einem Samstag geöffneten Läden noch nicht ausgelöst. Die Menschen in Hannover hielten sich nach Einschätzung der Polizei überwiegend an Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen. Zwar seien am Wochenende mehr Menschen an Ausflugszielen zusammengekommen, die Zahl der Ordnungswidrigkeiten sei aber „gleichbleibend bis sinkend“, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag.

Insgesamt 31 Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Verstößen gegen die coronabedingten Beschränkungen seien in Hannover eingeleitet worden - das sei „verschwindend gering“. Auch in der Innenstadt und beim Einkaufen habe sich die Mehrheit am Samstag nach den Abstandsregeln gerichtet. Auch in Salzgitter lockte das gute Wetter mehr Menschen in die Stadt, vor allem in Parks und am Salzgittersee, aber auch auf Wochenmärkten waren viele Menschen unterwegs. Nach Polizeiangaben verstießen aber immer wieder Gruppen gegen die Abstandsregeln - 57 Ordnungswidrigkeitsverfahren seien eingeleitet worden.

„Das Gros der Betriebe hat auf, viele haben die Chance genutzt“, sagte der Geschäftsführer des Handelsverbandes Niedersachsen-Bremen, Mark Alexander Krack, der Deutschen Presse-Agentur. In den Innenstädten sei aber noch deutlich weniger los gewesen als an normalen Samstagen“, sagte er.

Der Geschäftsführer des Handelsverbandes hatte sich nach eigenen Angaben einen Eindruck in Hannover verschafft. Aus anderen Teilen des Landes erreichten ihn Rückmeldungen, wonach etwa 40 bis 70 Prozent der Kunden im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt 2019 in die Städte kamen. „Wir haben noch nicht das Gewusel, das wir von normalen Samstagen kennen“, sagte Krack. Positiv stimmte ihn, dass sich die Menschen überwiegend an die aktuellen Auflagen hielten.

Das galt auch für Braunschweig: Dort hielten sich die Menschen einem Sprecher der Polizei zufolge weitestgehend an die Regeln. In der Stadt galt bereits seit Samstag die Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung beim Einkaufen und in den öffentlichen Verkehrmitteln. Die neue landesweite Corona-Verordnung der Landesregierung mit einer Maskenpflicht gilt dann ab Montag.

Aus Sicht des Handelsverbands dürften derzeit vor allem Bekleidungsgeschäfte profitieren. Wegen des guten Wetters seien die Läden mit Sommermode sicher besser frequentiert, sagte Krack. Bei einer deutlich späteren Lockerung hätten sie ihre Sommerware wohl nicht mehr verkaufen können. Nach insgesamt gut einer Woche mit geöffneten Läden fällt die Bilanz in vielen Städten Niedersachsens positiv aus. Am Montag hatten die ersten Geschäfte mit maximal 800 Quadratmeter Fläche öffnen dürfen. Viele Händler waren erleichtert.

Haupteinkaufsstraßen in Oldenburg waren schon gut besucht. „Die Einzelhändler tun alles, damit sich die Kunden gut und sicher fühlen“, sagte die Geschäftsführerin beim City-Management Oldenburg, Friederike Töbelmann. Allerdings stünden viele vor einem Spagat. Die Geschäfte bräuchten Kunden, müssten aber wegen der Corona-Pandemie Andrang vermeiden. Die Händler gehen unterschiedliche Wege - wo es machbar sei, würden etwa Ein- und Ausgänge separiert.

„Es sind Menschen in der Stadt unterwegs, es ist Frequenz“, sagte auch Friederike Breyer, Geschäftsführerin des Göttinger Einzelhandelsverbands „Pro City“. Es werde auch wieder mehr Umsatz gemacht. „Der liegt allerdings deutlich unter dem Umsatz, der vor der Schließung erzielt wurde“, betonte Breyer. Leider sei auch in Göttingen zu beobachten, was teilweise auch aus anderen Städten berichtet werde: „Im Lauf der Woche gab es zumindest bei einem Teil der Passanten eine zunehmende Sorglosigkeit“, berichtete Breyer.

Zudem konnten längst noch nicht alle Läden aufmachen. „Rund 80 Prozent der Geschäfte in Lüneburg sind geöffnet“, sagte Heiko Meyer, Chef des Lüneburger Citymanagements. „Die Sicherheitsvorschriften werden groß geschrieben, die Abstandsregeln nach meinem Eindruck durchgehend eingehalten.“ Wegen der verordneten Schließungen kündigte Lüneburg einen Härtefallfonds für den lokalen Handel und die Gastronomie an. Dieser soll Geschäftstreibende bei der Wiederaufnahme ihres Betriebs unterstützen. Ortsansässige Unternehmen mit bis zu neun Beschäftigten sollten eine Starthilfe erhalten.


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