Gesellschaft MHH-Personalrat „entsetzt“ über Entlassung von Klinik-Vize

Von dpa

Ein Schild steht an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Foto: Julian Stratenschulte/dpa/ArchivbildEin Schild steht an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild
Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild

Hannover. Der rätselhafte Fall Igor K. und die Folgen für die Medizinische Hochschule Hannover sorgen weiter für Schlagzeilen - auch nachdem Wissenschaftsminister personelle Konsequenzen gezogen hat.

Die Entlassung des Vizepräsidenten der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) im Fall Igor K. sorgt an der Klinik für Unverständnis. „Ich bin entsetzt über diese Entscheidung“, sagte die MHH-Personalratschefin Jutta Ulrich der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (Dienstag) zur Freistellung von Andreas Tecklenburg. „Ob von politischer Seite mit Augenmaß vorgegangen wird, stellen wir infrage.“

Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) hatte tags zuvor bekanntgegeben, dass der Vertrag mit Tecklenburg aufgelöst worden sei. Hintergrund seien „erhebliche Zweifel an der Organisation innerhalb der MHH“ im Fall des aus Montenegro eingereisten mutmaßlichen Clanmitglieds, das an der Uniklinik behandelt wurde.

Einen nicht namentlich genannten Klinikdirektor zitierte die Zeitung mit den Worten: „Der MHH hat man keinen Gefallen getan. Wir sind damit nicht mehr handlungsfähig.“ Tecklenburg war seit 2004 für die Krankenversorgung zuständig. Seine Aufgaben übernimmt kommissarisch der Direktor der Kinderchirurgie, Benno Ure.

„Die Entlassung des stellvertretenden Chefs hat an der international renommierten MHH nicht nur die gesamte Ärzteschaft, sondern auch das Personal in Aufruhr versetzt. Und der zuständige Minister schweigt dazu“, kritisierte die wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Eva Viehoff. Thümler habe Tecklenburg „nach Gutsherrenart“ ohne sorgfältige Prüfung der Sachlage suspendiert, bemängelte die Politikerin. Die Landesregierung weigere sich bisher, die MHH zum Zustandekommen der Behandlung von Igor K. zu hören.

Der 35-jährige Igor K. war zwei Wochen lang in Hannover behandelt worden, nachdem in Montenegro ein Mordanschlag auf ihn verübt worden war. Die deutsche Polizei ging von Verbindungen zur organisierten Kriminalität aus und befürchtete einen neuerlichen Anschlag auf den Montenegriner in der Klinik. Der aufwendige Polizeischutz hatte wegen der Kosten viel Kritik hervorgerufen. Allein die Personalkosten werden auf rund 900 000 Euro geschätzt.


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