Gesundheit „Flächendeckendes Problem“: Intensivstationen überlastet

Von dpa

Blick eine Tür zur Intensivstation. Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpaBlick eine Tür zur Intensivstation. Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa

Hannover. Den Krankenhäusern in Niedersachsen und Bremen fällt es zunehmend schwer, genügend Pflegekräfte zu finden. Das zwingt die Kliniken teils zu drastischen Schritten.

In vielen niedersächsischen Krankenhäusern herrscht Personalnot auf den Intensivstationen - eine Folge sind temporäre Aufnahmestopps für Patienten. „Die Überlastung von Intensivstationen ist ein flächendeckendes Problem“, sagte der Verbandsdirektor der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft, Helge Engelke, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte das Politmagazin „Panorama 3“ im NDR Fernsehen über die angespannte Situation berichtet.

Der NDR wertete zwischen August 2019 und Januar 2020 vier Monate lang Daten des Onlinesystems Ivena aus. Damit tauschen sich Rettungsleitstellen und Kliniken aus, deren Stationen als voll belegt gemeldet sind. In der Region Hannover waren demnach die Intensivbetten in der inneren Medizin in über der Hälfte der Auswertungszeit (53 Prozent) komplett ausgelastet. In der Chirurgie betrug der Anteil mehr als ein Drittel (32 Prozent). In solchen Fällen müssen Patienten oft abgewiesen und in anderen Kliniken versorgt werden - was die Situation dort wiederum verschärfen kann.

Noch gravierender war die Lage in Bremen: In sieben Krankenhäusern lag die Abmeldequote bei insgesamt 66 Prozent. Im vergangenen Jahr seien die Werte niedriger gewesen, hieß es.

Engelke zufolge müssen sich Patienten wegen der Personalnot auf längere Wartezeiten bei geplanten Eingriffen einstellen. Im Notfall könne nicht immer das nächstgelegene Krankenhaus angesteuert werden. Patienten in lebensbedrohlichen Situationen würden dennoch aufgenommen, allerdings müssten die Kliniken dann anschließend mit Sanktionen wie Strafzahlungen rechnen, sagte er.

Der Mangel an Pflegekräften liegt auch daran, dass seit diesem Jahr noch strengere Personaluntergrenzen gelten. Daher werde sich die Situation noch verschärfen, glaubte Engelke. Das Problem sei nur auf Bundesebene zu lösen.

Nach einem Vorschlag von Krankenhausgesellschaften, Ärztegewerkschaften und Pflegerat sollen Personaluntergrenzen für bestimmte Stationen abgeschafft werden. Vielmehr sei der Personalbedarf der gesamten Klinik zu berücksichtigen.

Das niedersächsische Gesundheitsministerium fand dagegen die Personaluntergrenzen-Verordnung richtig, weil so die Patientensicherheit erhöht wird, wie ein Ministeriumssprecher sagte. Grundsätzlich verfüge Niedersachsen über ein Netz gut erreichbarer Krankenhäuser. 104 von ihnen nehmen an der Notfallversorgung teil.

Aus den Klinik-Abmeldungen im Online-System Ivena lassen sich dem Sprecher zufolge keine Rückschlüsse auf ganz Niedersachsen ziehen. Dem Land sei die Nachwuchsgewinnung wichtig - so müssten angehende Pfleger in Niedersachsen zukünftig kein Schulgeld mehr zahlen.

Die Bremer Gesundheitssenatorin räumte ein, dass die Einführung der Untergrenzen zu einer „Zuspitzung und Verdeutlichung“ des Fachkräftemangels geführt habe. Bremen baue daher fortlaufend die Ausbildungskapazitäten in der Pflege aus.


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