Bildung Gedenkstättenleiter erstattet Anzeige wegen Hetze im Netz

Von dpa

Die KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen. Foto: Holger Hollemann/dpa/ArchivbildDie KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen. Foto: Holger Hollemann/dpa/Archivbild

Lohheide. Der Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen, Jens-Christian Wagner, sieht sich nach Kritik an der AfD mit Anfeindungen im Internet konfrontiert.

„Fälle von Beleidigungen und Drohungen zeige ich bei der Polizei an“, sagte der Historiker der Deutschen Presse-Agentur. Der 54-Jährige, der auch Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten ist, hatte in einem Interview von einer Zunahme provozierender Fragen von Besuchern berichtet. In einem Fall habe sich auch die begleitende Lehrerin einer Schülergruppe irritiert gezeigt und gesagt, sie sei kurzfristig für einen Kollegen - einen „AfD-Mann“ - eingesprungen. Die Jugendlichen seien offenbar angestachelt worden, sagte Wagner.

In dem damaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen wurden in den Jahren 1943 bis 1945 mehr als 100 000 Männer, Frauen und Kinder gefangen gehalten. Nach Angaben der Gedenkstätte starben mehr als 52 000 von ihnen. Zu den Todesopfern zählte auch Anne Frank, die mit ihren Tagebüchern posthum weltbekannt wurde.

Die Fraktionschefin der AfD im niedersächsischen Landtag, Dana Guth, sagte: „Falls das stimmen sollte, möchten wir der Sache nachgehen und gegebenenfalls parteirechtliche Schritte gegen dieses Mitglied ergreifen.“ Die AfD hätte gerne mehr Informationen zu dem angeblichen „AfD-Mann“. Aus datenschutzrechtlichen Gründen will Wagner aber keine Details nennen.

Dieser sagte: „Es ist unser ausgesprochenes Ziel, dass Schülerinnen und Schüler kritisch nachfragen.“ Geschichtsbewusstsein brauche kritisches Nachhaken. „Provokationen sind das Gegenteil: Sie sollen den Austausch von Argumenten verhindern.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN