Hochschulen warnen vor Konsequenzen Niedersächsische Unis sollen sparen: Am Ende weniger Lehrer?

Hochschulleitungen warnen vor den Konsequenzen von Sparvorgaben der Landesregierung. Foto: Julian Stratenschulte/dpaHochschulleitungen warnen vor den Konsequenzen von Sparvorgaben der Landesregierung. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
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Osnabrück. Niedersächsische Hochschulen fürchten harte Einschnitte im Lehrbetrieb. Es geht um Sparvorgaben des Landes, Lehrer und Gebäude. Was bedeutet das für Schulen und Studenten? Ein Überblick.

Niedersächsische Hochschulen fürchten harte Einschnitte im Lehrbetrieb. Es geht um Sparvorgaben des Landes, Lehramtsstudenten und Sanierungen von Gebäuden.

Eigentlich will Niedersachsen so viele neue Lehrer wie möglich einstellen. 1900 neue Stellen solle es geben, hatte der zuständige Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) in diesem Jahr angekündigt. Vor allem an den Grund- und Berufsschulen ist der Bedarf groß. Tonne hatte in dieser Woche mitgeteilt, allein 15 Millionen Euro in Vertretungslehrer für Berufsschulen zu investieren, damit weniger Unterricht ausfällt.

Gleichzeitig ist im Land Sparen angesagt. Hinter dem sperrigen Begriff „globale Minderausgabe“ verbirgt sich die Ansage für jedes niedersächsische Ministerium, künftig einen geringen prozentualen Teil seiner Ausgaben einzusparen. Das gilt auch fürs Wissenschaftsministerium. Das hat diese Vorgabe an die Universitäten weitergereicht. Ergebnis: Die Unis sollen künftig rund 24 Millionen Euro pro Jahr einsparen.

Uni: Können bei Professoren nicht sparen

Ganz am Ende könnte das etwa dazu führen, dass weniger Lehrer ausgebildet werden, warnen die Universitäten. Ein Beispiel: Die Uni Osnabrück sollte laut eigenen Angaben künftig 1,8 Millionen Euro erhalten. Im Gegenzug sollten die Uni jedes Jahr rund 70 Absolventen mehr verlassen, die anschließend als Lehrer arbeiten. Schon jetzt wollen von den rund 14.000 Studenten hier 40 Prozent Lehrer werden. Ab diesem Wintersemester sollten auf dem normalen Ausbildungswege zusätzliche Lehrer für Berufsschulen und Grund-, Haupt- und Realschulen an der Uni studieren.

Aber: Durch die Sparvorgaben fürchtet die Uni Osnabrück, dass sie künftig bis zu 1,3 Millionen Euro einsparen muss. Die Hochschule argumentiert, bei Professoren könne man nicht sparen. Denn die haben Verträge bis zur Pension. Auch wäre es schwierig, laufende Projekte plötzlich schlechter zu finanzieren. Bleibe also der Topf mit den 1,8 Millionen Euro, die unter anderem in die Ausbildung der Lehrer fließen sollten. Wenn es kommt wie befürchtet, könnte von diesem Geld nicht viel übrig bleiben. Dementsprechend dürften am Ende auch nicht signifikant mehr Lehrer stehen.

Hochschule: Einbußen bei Sanierungen

Die Hochschule Osnabrück geht von einer Million Euro aus, die sie nach jetzigem Stand einsparen müsste. Möglich wäre das nur über Einbußen bei Bau- und Sanierungsmaßnahmen, sagt Hochschulpräsident Andreas Bertram. Dozenten und Studenten müssten sich „auf eine Verschlechterung der Lern- und Lehrorte einstellen“. Auch die Digitalisierung werde so schwieriger. „Langfristig müssten wir aber Studienplätze abbauen.“ Bertram wünscht sich langfristige Planungssicherheit. Nun soll es offenbar Gespräche zwischen Ministerium und Hochschulrektoren geben.

Ministerium: Warten auf Vorschlag der Rektoren

Das Wissenschaftsministerium erklärte, es warte auf einen Vorschlag der Rektoren dazu, wie die Einsparungen aufgeteilt werden sollten. Man sei dazu seit geraumer Zeit in Gesprächen. Die Hochschulen machen 78 Prozent des Ministeriumshaushaltes aus. „Es wird also wahrscheinlich keine umsetzbare Alternative dazu geben, als das Geld im Beriech der Hochschulen einzusparen“, erklärte eine Ministeriumssprecherin. „Unser Ziel ist es, ohne die Einsparung von Studienplätzen auszukommen.“

Der Finanzminister jedenfalls ist optimistisch: Die Erfahrung zeige, dass am Ende eines Jahres nicht alle finanziellen Mittel vollständig ausgegeben wurden, sagte Reinhold Hilbers unserer Redaktion. Er sei zuversichtlich, dass auch im Bereich der Hochschulen „ohne größere Verwerfungen Einsparmöglichkeiten gefunden werden“. Insgesamt müsse das Wissenschaftsminnisterium bei einem Haushaltsvolumen von 3,38 Milliarden Euro einen Anteil von 0,7 Prozent einsparen.


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