Verkehr Testlauf für kostenlosen Nahverkehr in der Region Hannover

Von dpa

Auf einem Bahnsteig der Station Steintor warten Passanten während eine Stadtbahn einfährt. Foto: Lucas Bäuml/dpaAuf einem Bahnsteig der Station Steintor warten Passanten während eine Stadtbahn einfährt. Foto: Lucas Bäuml/dpa
Lucas Bäuml/dpa

Hannover. Verzichten mehr Menschen auf die Nutzung des eigenen Autos, wenn Busse und Bahnen kostenlos sind? Hannover, Münster und Karlsruhe haben es am ersten Adventssamstag ausprobiert. Allerdings gibt es auch Kritik an der Aktion.

Mit der Aktion „Bus & Bahn gratis fahr’n“ können Fahrgäste einen Tag umsonst den öffentlichen Nahverkehr der Region Hannover nutzen. Die Organisatoren wollen Menschen motivieren, ihr Auto stehen zu lassen. Das kostet allerdings - und kommt nicht überall gut an.

In der Region Hannover konnten am Wochenende alle Busse und Bahnen des öffentlichen Nahverkehrs kostenlos genutzt werden. Die Aktion „Bus & Bahn gratis fahr’n“ soll den Menschen am traditionell verkehrsstarken ersten Adventssamstag eine Alternative zum Auto bieten. Die Aktion startete am Samstag um 0 Uhr und geht bis zum Sonntagmorgen um 5 Uhr. „Wir wollen zeigen, dass es viel einfacher ist, mit Bahn und Bus in die Stadt zu kommen, anstatt mit dem Auto zu fahren und im Stau zu stehen und lange nach einem Parkplatz zu suchen,“ sagte Tolga Otkun, Sprecher der Großraum-Verkehr Hannover GmbH (GVH).

Udo Iwannek, Sprecher des hannoverschen Verkehrsbetriebs ÜSTRA erhoffte sich von der Aktion außerdem Erkenntnisse, wie man eine Verkehrswende im Interesse des Klimawandels herbeiführen könne. Für die Aktion wurden die Kapazitäten der Stadtbahnen und Busse um rund 50 Prozent erhöht. Viele Linien fuhren häufiger als sonst und wurden mit zusätzlichen Wagen verstärkt.

Der 64-jährige Kaufmann Axel Hänel aus Springe hat die Aktion gezielt genutzt: „Normalerweise fahre ich mit dem Auto in die Stadt, aber das ist natürlich ein gutes Angebot. Es ist viel entspannter. Und die Parktickets für die Parkhäuser werden auch immer teurer.“ Viele Parkhäuser in der Innenstadt waren trotzdem bereits am Mittag voll. Auch Heike Marquardt, 64 Jahre alt, ist mit dem Auto gekommen: „Einfach aus Bequemlichkeit. Es geht schneller und man kann dann die Weihnachtseinkäufe auch mal im Auto zwischenlagern“.

Insgesamt wurden rund 2500 zusätzliche Park&Ride-Parkplätze in der ganzen Region eingerichtet. Manche Straßen im Stadtgebiet wurden für den normalen Verkehr gesperrt, damit die Busse und Bahnen schneller durchkommen. Für Busfahrer Matthias Moog war es trotz des erwarteten Andrangs eine relativ ruhige Vormittagsschicht: „Ein paar Fahrgäste waren aber schon überrascht, dass sie dann ohne zu bezahlen einsteigen konnten.“

Für einen Samstag sei es verkehrstechnisch in der Stadt relativ ruhig geblieben, sagte eine Polizeisprecherin am Nachmittag. Die ganze Aktion soll laut Region Hannover rund 600 000 Euro kosten. Alleine die entfallenden Einnahmen werden auf etwa 350 000 Euro geschätzt.

Kritik kam im Vorfeld des Aktionstages bereits vom Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund. Dessen Sprecher Thorsten Bullerdiek bezeichnete die Aktion als „völlig falsches Signal“. Den Menschen werde vorgegaukelt, dass ein kostenfreier Nahverkehr so einfach umsetzbar wäre. Außerdem werde er in den Städten auch aus Steuermitteln aus dem Umkreis finanziert, während es auf dem Land oft an Bussen und Bahnen fehle.

Otkun betonte allerdings den Testcharakter der Aktion: „Es geht darum, zu testen und auszuprobieren. Wie verhalten sich die Leute, wenn der Nahverkehr kostenlos ist? Wenn man nichts ausprobiert, kann man auch keine Erkenntnisse darüber bekommen, wie die Leute sich verhalten.“

In einer ersten Zwischenbilanz zeigten sich die Veranstalter zufrieden mit ihrer Aktion. „Die Busse und Bahnen sind voller als sonst, aber auch nicht zu voll. Der Versuch klappt“, sagte Iwannek. Eine genauere Auswertung werde folgen.

Die Aktion gibt es übrigens auch in anderen Städten: Im nordrhein-westfälischen Münster und in baden-württembergischen Karlsruhe fahren die Busse und Bahnen sogar an allen vier Adventssamstagen im Stadtgebiet kostenlos.


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