Wegfall von 3000 Jobs „Minimalschätzung“ Enercon rechnet mit weiteren Stellenstreichungen

Bereits im vergangenen Jahr hatte Enercon massiv Stellen gestrichen. Damals waren Angestellte vor das Wirtschaftsministerium in Hannover gezogen. Foto: Holger Hollemann/dpaBereits im vergangenen Jahr hatte Enercon massiv Stellen gestrichen. Damals waren Angestellte vor das Wirtschaftsministerium in Hannover gezogen. Foto: Holger Hollemann/dpa

Hannover. Der drohende Verlust von 3000 Stellen bei Enercon könnte nicht das Ende des Abbaus bei der Firma bedeuten.

Der Stellenabbau beim Windanlagenbauer Enercon und seinen direkten Zulieferern könnte weit über die bisher kommunizierten bis zu 3000 Stellen hinausgehen. Dies geht aus einer Stellungnahme des Konzerns an die niedersächsische Landesregierung hervor, die unserer Redaktion vorliegt. In dem Schreiben vom vergangenen Mittwoch zählt das Unternehmen aktuell sieben „Produktionspartner“ mit dem Schwerpunkt Rotorblattfertigung auf, bei denen insgesamt 1300 Stellen wegfallen sollen. 

Hinzu kämen 250 bis 300 Arbeitsplätze bei Enercon direkt sowie 600 bis 700 „freigesetzte“ Leiharbeiter bei den Produktionspartnern. Die Zahlen seien „mit Vorsicht zu genießen“, allerdings gehe man davon aus „dass sich aus dem Transformationsprozess weitere Abbauten bis zu den genannten 3.000 Arbeitsplätzen ergeben werden“, heißt es in dem Schreiben. „Das ist unsere Minimalabschätzung bis Ende 2020“, schreibt Enercon und stellt direkt einen noch stärkeren Jobabbau in Aussicht: „Weiterungen sind mit dem Fortgang des Transformationsprozesses nicht ausgeschlossen“, heißt es in dem Schreiben. Das Papier war im Nachgang eines Krisengipfels in der niedersächsischen Staatskanzlei erstellt worden. Dort hatte Enercon-Chef Hans-Dieter Kettwig bereits den Umfang des Arbeitsplatzabbaus bekräftigt. Insbesondere die Produktion von Rotorblättern sei in Deutschland nicht mehr konkurrenzfähig. Kettwig zufolge steht das Unternehmen an einem Wendepunkt, intern spreche man von einem „Turnaround“ hin zu mehr Industrialisierung und Wettbewerbsfähigkeit. 

Am heutigen Samstag wollen Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Energieminister Olaf Lies (beide SPD) nach Aurich reisen, um sich dort auf Einladung der IG Metall mit Beschäftigten sowie Vertreterinnen und Vertretern von Betriebsräten, Gewerkschaften und Politik darüber auszutauschen, wie es weitergehen könne. 


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