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10.11.2019, 20:51 Uhr KOMMENTAR

Windenergie: Bekenntnis zur Branche?

Ein Kommentar von Nina Kallmeier


Wie geht es für die Windbranche weiter. Foto: Frank Molter/dpaWie geht es für die Windbranche weiter. Foto: Frank Molter/dpa

Osnabrück. Nach der Ankündigung eines massiven Stellenabbaus beim Windkraft-Anlagenbauer Enercon wollen Politik und Wirtschaft nach Wegen aus der Krise suchen. Kommende Woche seien Gespräche mit der Landes- und Bundespolitik geplant. Ein Kommentar.

Netzanbieter kritisieren seit Langem einen schleppenden Netzausbau und den Ausbaudeckel der Windenergie an Land und auch auf See, der Bundesverband Erneuerbare Energie prophezeit seit Jahren den Abbau Tausender Stellen in der Branche. Ohne neue Projekte hält sich der Absatz von Anlagenherstellern wie Enercon in Grenzen – was wiederum zu einer Flaute bei den Zulieferern führt. Insofern sollte es die Politik nicht überraschen, dass die Industrie hierzulande in einer Krise steckt.

Nun kommen bei Enercon neben den grundsätzlichen Schwierigkeiten auch andere Faktoren hinzu, denn die Probleme des Auricher Unternehmens sind in Teilen hausgemacht. Die Entwicklung von Offshore-Anlagen lehnte Firmengründer und Windpionier Aloys Wobben ab. Das Resultat: Die Konkurrenz ist hier im Geschäft, die Ostfriesen rennen hinterher. Hinzu kommen interne Probleme und defekte Anlagen, mit denen Enercon in letzter Zeit Schlagzeilen zu kämpfen: bei den einen bröckelten Betontürme, andere gerieten in Brand. Das ist kein Aushängeschild für ein Unternehmen, sondern sorgt für Misstrauen bei Windparkbetreibern.

Wenn jetzt Gespräche mit der Politik geführt werden, darf es also nicht nur um Enercon gehen, es muss um die Windbranche insgesamt gehen. Die Industrie zieht es dorthin, wo sie mit ihren Produkten Geld verdienen kann – und das ist zurzeit nicht in Deutschland.


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