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Studiengang soll 2012 starten Bund fördert Islam-Ausbildung in Osnabrück

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ten/hav Berlin/Osnabrück. Die Universität Osnabrück hat den Zuschlag für eines der ersten Institute für Islam-Studien in Deutschland bekommen. Das teilte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) in Berlin mit.

Die Hochschule hat sich zusammen mit der Universität Münster unter bundesweit fünf Bewerbern durchgesetzt. Münster sei stark in der Theologie, Osnabrück bei der Lehrerbildung und Imam-Weiterbildung, sagte Schavan. Noch zum Wintersemester 2010/2011 soll das neue Islam-Institut mit der Arbeit beginnen.

Ziel ist, wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern sowie islamische Religionslehrer und Imame (Vorbeter) auszubilden. Die von der Bundesregierung einberufene Islam-Konferenz hatte beschlossen, dass an möglichst allen deutschen Schulen ein Islam-Religionsunterricht angeboten werden soll.

Dafür wird jetzt an staatlichen Hochschulen das notwendige Personal ausgebildet. Derzeit wird damit gerechnet, dass bei einer flächendeckenden Einführung des islamischen Religionsunterrichts rund 2000 Lehrkräfte benötigt werden.

An den Zentren für „Islamische Studien“ soll ähnlich wie an den Instituten für christliche Theologie eine islamisch-theologische Forschung begründet werden. Über fünf Jahre hinweg stellt der Bund dafür 16 Millionen Euro bereit. Zusätzlich muss das jeweilige Land ein Drittel der entstehenden Kosten übernehmen.

Geplant sind insgesamt vier Standorte mit 400 bis 500 Studienplätzen. Neben Osnabrück und Münster wurde die Universität Tübingen bereits ausgewählt. Die Hochschulen Erlangen und Marburg/Gießen sind abgewiesen worden. Sie können sich bis Ende Januar mit einem überarbeiteten Konzept erneut bewerben. Die Standorte werden von einer Jury des deutschen Wissenschaftsrates ausgewählt.

Pro Standort sollen bis zu vier Millionen Euro zur Verfügung stehen. Für den Doppelstandort Osnabrück/Münster wird es nach den Worten der Ministerin einen Aufschlag geben.

Die Leitung der Universität Osnabrück nahm die Entscheidung gestern begeistert auf. „Wir freuen uns außerordentlich“, sagte Universitätspräsident Claus Rollinger. Er verwies darauf, dass Osnabrück ein Vorreiter im Bereich der islamischen Religionspädagogik in Deutschland sei. Bereits 2002 begann mit Unterstützung muslimischer Verbände und des Landes Niedersachsen die Ausbildung von Religionslehrern. Vor drei Jahren wurde das Zentrum für Interkulturelle Islamstudien gegründet. Am Montag startete das bundesweit erste Weiterbildungsprogramm für Imame und Seelsorger.

Rollinger bezeichnete die in Osnabrück lehrenden Professoren Bülent Ucar und Rauf Ceylan als hervorragende, bundesweit anerkannte Experten. Er zeigte sich überrascht, dass eine Zusammenarbeit mit der Uni Münster vorgesehen sei. Dies könne aber durchaus von Vorteil sein, fügte er hinzu.

Martina Blasberg-Kuhnke, Vizepräsidentin für Studium und Lehre, nannte als einen Schwerpunkt des Studiums die Koran-Exegese, die Interpretation der Heiligen Schrift der Muslime. Der neue Studiengang soll nach ihren Worten im Wintersemester 2012 starten.

Blasberg-Kuhnke kündigte an, die Universität werde darauf achten, dass wissenschaftlich-kritische Methoden im Islam-Studium angewandt würden. Zusammen mit der Uni Münster wolle die Uni Osnabrück einen Bachelor-Studiengang und später auch einen Master-Studiengang entwickeln.

Der Wissenschaftsrat, der die Bundesregierung und die Landesregierungen berät, hatte am 29. Januar empfohlen, an zwei oder drei staatlichen Universitäten in Deutschland starke Zentren für Islamische Studien aufzubauen, und zwar in Zusammenarbeit mit jeweils zu gründenden Beiräten für Islamische Studien als Kooperationspartner.


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