CDU und Grüne werben in Hannover um Verliererstimmen SPD-Chef Weil macht OB-Desaster zum Hannoverthema

Wahlabend in Hannover: Der Grünen-Kandidat Belit Onay (Mitte) gratuliert dem gleichauf liegenden Mitbewerber Eckhard Scholz (rechts). Der Sozialdemokrat Marc Hansmann kam auf Rang drei. Foto: Sina Schuldt/dpaWahlabend in Hannover: Der Grünen-Kandidat Belit Onay (Mitte) gratuliert dem gleichauf liegenden Mitbewerber Eckhard Scholz (rechts). Der Sozialdemokrat Marc Hansmann kam auf Rang drei. Foto: Sina Schuldt/dpa

Hannover. Nach der historischen Wahlniederlage der SPD in Hannover fordert Landeschef Weil von der Stadtpartei die Runderneuerung. Grüne und CDU werben um die frustrierten SPD-Wähler.

Am Ende des „sehr bescheidenen Wochenendes“ nimmt sich der Landeschef Zeit. Am Sonntagabend um 21.30 Uhr verschickt SPD-Chef Stephan Weil per Mail seine Stellungnahme zur verlorenen Oberbürgermeisterwahl in Hannover. Zu dieser Zeit steht die krachende Niederlage des SPD-Bewerbers Marc Hansmann schon seit etwa zweieinhalb Stunden fest. In der einstigen SPD-Bastion scheiterte Hansmann mit 23,5 Prozent klar an seinen Kontrahenten Belit Onay (Grüne) und Eckhard Scholz (für die CDU), die mit je 32,3 Prozent der Stimmen in die Stichwahl am 10. November gehen. Das Rennen ist knapp – Onay fuhr ganze 49 Stimmen mehr ein als Scholz. 

Auch andere Dinge des Wochenendes passen Weil nicht: Das knappe Ergebnis des SPD-Mitgliederentscheides, der ganz am Ende verschenkte Sieg von Hannover 96 in Darmstadt. Das SPD-Ergebnis in Thüringen. Doch nicht schmerzt so wie die Wahl in Hannover. In dem nun verlorenen Rathaus hat Weil selbst regiert, bevor er Ministerpräsident wurde. Weil versucht, das Desaster lokal zu begrenzen: „Die Hannoversche SPD darf nach diesem Abend nicht einfach zu Tagesordnung übergehen, wir dürfen nicht nur auf widrige Verhältnisse im Bund verweisen. Die Hannoversche SPD muss sich kritisch fragen, was wir in Zukunft besser machen können“, schreibt der Landeschef. 

SPD ohne Wahlempfehlung

Noch am Sonntagabend kündigt SPD-Stadtparteichef Alptekin Kirci an, im Januar nicht zur Wiederwahl anzutreten. Am Montag folgt die Ratsfraktionschefin. Tatsächlich hat die Großstadtpartei ein Problem: Lange hielten die Genossen am vorherigen Oberbürgermeister Stefan Schostok fest, dem am Ende illegale Zulagen für Spitzenbeamte zum Verhängnis wurde. Und während im Rathaus an geschlechtergerechter Sprache und die Umbenennung von Straßen gebastelt wurde, scheint den Genossen der Kontakt zu den Hannoveranern verloren gegangen zu sein: Die wählten in der Innenstadt mehrheitlich den Grünen Onay und in den Außenbezirken den CDU-Kandidaten Scholz. Rote Bezirke gibt es kaum noch in der Stadt.

Wer von beiden das Rennen macht, ist völlig offen. Die SPD will keine Wahlempfehlung geben, ließ Kirci am Montag verlauten. Also werben die beiden Finalkandidaten selbst um die roten Stimmen: „Ich möchte auch für die Sozialdemokraten ein Angebot sein und da auch Brücken bauen“, kündigte der 56-jährige Scholz an. „Wir müssen diese Stadt zusammenführen“, sagte der 38-jährige Onay. Wer das Rennen macht ist offen. Dazu passt das Fazit des bescheidenen Weil-Wochenendes: „Es gibt keine politischen Dauerabos“, schreibt der am Montag auf Facebook.


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