Neuer Oberbürgermeister gesucht In Hannover droht der SPD am Wochenende ein Desaster

Der SPD-Kandidat Marc Hansmann will Oberbürgermeister von Hannover werden. Möglicherweise schafft er es aber nicht einmal in die Stichwahl. Foto: Julian Stratenschulte/dpaDer SPD-Kandidat Marc Hansmann will Oberbürgermeister von Hannover werden. Möglicherweise schafft er es aber nicht einmal in die Stichwahl. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Julian Stratenschulte

Hannover. In Hannover wird ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Am Sonntag kommt es wohl zu einem Dreikampf zwischen drei Bewerbern. Dabei droht den Sozialdemokraten in der SPD-Hochburg ein Desaster.

Erstmals seit 1946 könnte Hannovers SPD den Sessel des Oberbürgermeisters verlieren. Beim ersten Wahlgang am kommenden Sonntag deutet sich ein Kandidaten-Dreikampf um die zwei Plätze in der Stichwahl an. Eine Umfrage sieht den SPD-Bewerber Marc Hansmann dabei mit nur 23 Prozent auf Platz 3. Vor dem Stadtwerke-Vorstand lagen der von der CDU unterstützte parteilose ehemalige VW-Manager Eckhard „Ecki“ Scholz (28 Prozent) sowie der Grünen-Landtagsabgeordnete Belit Onay (26 Prozent). Erst mit weitem Abstand folgen andere Kandidaten wie der frühere General Joachim Wundrak (AfD) oder die parteilose Kulturmanagerin Iyabo Kaczmarek.

Auch wenn viele nach einem spannungsarmen Wahlkampf, bei dem es viel um Mieten und Verkehr ging, noch unentschlossen sind, ist der Wert für die Sozialdemokraten alarmierend: Hannover gilt als SPD-Hochburg und -Machtbasis. In den ersten Nachkriegsjahren baute Kurt Schumacher von hier aus die westdeutsche SPD wieder auf. Bei kommunalen Wahlen war die spannendste Frage meist, wie hoch die SPD-Herausforderer scheitern. Im Rathaus regierte fast dreieinhalb Jahrzehnte lang Herbert Schmalstieg, sein Nachfolger Stephan Weil schaffte vom OB-Sessel aus den Sprung zum Ministerpräsidenten. Doch Weils Nachfolger Stefan Schostok musste im Frühjahr wegen illegaler Zulagen für Stadtbeamte gehen. Darum wird nun gewählt.

Ex-Kämmerer soll es richten

Ein Verlust der Landeshauptstadt wäre ein schwerer Schlag für die Niedersachsen-SPD. Landeschef Stephan Weil sprach intern von einer „Katastrophe“. „Es würde nicht die Sache nicht einfacher machen“, sagt ein hochrangiger Sozialdemokrat. Noch lebt die Partei vom Nimbus des Landtagswahlsiegs 2017, als sie mit 37 Prozent stärkste Kraft im Land wurde. Doch seitdem häufen sich Misserfolge: Im September bekam der Emder SPD-Kandidat bei der OB-Wahl gerade noch 16,4 Prozent.

Dabei waren die Sozialdemokraten anfangs guter Dinge: Mit dem 49-jährigen in Osnabrück geborenen Ex-Stadtkämmerer Hansmann startete die Partei früh in den Wahlkampf. Zudem spielte dort die Rathausaffäre Schostoks kaum eine Rolle. Doch die Konkurrenz schüttelte er nicht ab: Der 56-jährige Scholz, einst Chef der VW-Nutzfahrzeuge in Hannover, profiliert sich als Manager und Familienmensch. Und der anfangs weithin unbekannte Grünen-Politiker Onay (38) wird in Videos selbst von Hannover-Promis wie dem Musikproduzenten Mousse T. empfohlen.  


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