Ein Bild von Klaus Wieschemeyer
11.10.2019, 17:18 Uhr KOMMENTAR

Vorläufiger Abschied mit Botschaft

Ein Kommentar von Klaus Wieschemeyer


Noch im März war Landrat Tjark Bartels im Sozialausschuss des Landtags zum Fall Lügde befragt worden. Insbesondere CDU und FDP waren mit dem Auftreten des SPD-Mannes unzufrieden. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpaNoch im März war Landrat Tjark Bartels im Sozialausschuss des Landtags zum Fall Lügde befragt worden. Insbesondere CDU und FDP waren mit dem Auftreten des SPD-Mannes unzufrieden. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Hannover. Der Landrat von Hameln-Pyrmont will wegen eines Burn-Outs nicht mehr ins Büro zurück. Der Abschied von Tjark Bartels aus der Politik hat etwas Gutes – und muss nicht auf Dauer sein, glaubt unser Kommentator.

Der Burn-Out von Hamelns Landrat zeigt einmal mehr, dass der ungebremste virtuelle Hass im Netz ganz reale Folgen haben kann. Tjark Bartels galt als robuster Politiker. Doch die Internet-Wutwelle infolge der Fehler des Landkreises im Fall Lügde setzte ihm mehr zu, als er sich selber lange eingestand. Dass er die Folgen nun öffentlich macht, dient sowohl den oft als Mimosen missverstandenen Burn-Out-Patienten als auch den Opfern von Hate-Speech. 

Trotzdem ist Kritik an der Arbeit von Bartels angebracht: Viele Fehler im Fall Lügde haben mit dem Landkreis Hameln-Pyrmont zu tun. Und der Umgang des Landrats mit dem Skandal, sachlichen Nachfragen und fundiertem Widerspruch war problematisch. Bartels stellte bereits im März einen „Abschlussbericht“ im Fall Lügde vor. Damit erweckte er Monate vor Prozessbeginn und am Anfang der politischen Aufarbeitung des Falles den Eindruck, alle Behördenfehler seien abgearbeitet. 

Trotz dieser Fehler galt Bartels in der Niedersachsen-SPD bislang als Anwärter auf höhere Ämter. Dass er sich erfolgreich für die vorrangige Erdverkabelung der neuen Stromtrasse Südlink einsetzte, zeugt von Durchsetzungskraft. Auch deshalb verbindet Landeschef Stephan Weil seine Genesungswünsche mit der Hoffnung auf eine Rückkehr des Noch-Landrats in die Politik. Gut möglich, dass der Bartels-Abschied nicht von Dauer ist.


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN