500 zusätzliche Windräder bis 2030 Nordländer wollen Windkraft auf See massiv ausbauen

Diese Windräder und ein Umspannwerk stehen etwa 43 Seemeilen westlich von Sylt in der Nordsee. Geht es nach den Küstenländern, kommen zahlreiche weitere Anlagen hinzu. Foto: Christian Charisius/dpaDiese Windräder und ein Umspannwerk stehen etwa 43 Seemeilen westlich von Sylt in der Nordsee. Geht es nach den Küstenländern, kommen zahlreiche weitere Anlagen hinzu. Foto: Christian Charisius/dpa

Hannover. Die norddeutschen Bundesländer wollen den Ausbau der Windkraft auf See beschleunigen. Die Bundesregierung zieht anscheinend mit.

Die norddeutschen Länder wollen die Offshore-Windenergie massiv ausbauen. Bis 2030 sollen Anlagen mit einer Gesamtleistung von fünf Gigawatt zusätzlich in der Nord- und Ostsee entstehen. Auf einer Fachkonferenz in Hannover sagten Vertreter der Landes- und Bundesregierungen Unterstützung bei der Planung und dem Anschluss der schätzungsweise etwa 400 Windräder in der Nordsee und 100 weiteren in der Ostsee zu. Das für die Flächenentwicklung zuständige Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg und Rostock werde zusätzliche Stellen und Sachmittel erhalten, kündigte der zuständige Bundes-Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU) an. Denn die Zeit dränge: Wenn 2027 die ersten zusätzlichen Rotoren montiert werden sollen, müssten die Ausschreibungen bis 2023 auf den Weg gebracht werden. 

Hintergrund des Treffens ist die Ankündigung der rot-schwarzen Bundesregierung, den bisherigen Ausbaudeckel für Offshore-Strom von 15 Gigawatt bis 2030 auf 20 Gigawatt zu heben. Staatssekretär Andreas Feicht (CDU) aus dem Bundeswirtschaftsministerium sicherte Hilfe zu. Angesichts des ambitionierten Klimapakets der Bundesregierung werde man einen „Aktionsplan Offshore“ erstellen. „Der Deckel ist weg“, sagte Feichts Kollege Ferlemann. Nun könne die Branche zeigen, was möglich ist. Dabei geht es nicht nur um komplette Neuplanungen: Auch in bestehenden Parks sollen zusätzliche Windräder gebaut werden. Außerdem wird bereits an den Austausch alter gegen leistungsfähigere neue Anlagen (Repowering) gedacht.

Ursprünglich hatte die Bundesregierung 2002 selbst das 20-Gigawatt-Ziel ausgegeben, angesichts eines schleppenden Netzausbaus und hoher Einspeisekosten einen Ausbaudeckel verfügt. 

Ehrgeizige Ziele

Aktuell liefert Offshore-Wind vor den deutschen Küsten etwa 7 Gigawatt Leistung, künftige Anlagen können nach Angaben der Industrie bereits Strom zu Marktpreisen liefern. Das neue Ausbauziel sei „ehrgeizig, aber machbar“, sagte der Gastgeber, Niedersachsens Energieminister OIaf Lies (SPD). „Da kommt eine ganze Menge auf uns zu“, ergänzte er. Besonders sein Bundesland sei beim Netzausbau gefragt, zumal 2030 lediglich ein Zwischenschritt sein soll. Zusätzliche Zugänge für Strom aus dem Meer sollen in Wilhelmshaven und an der Unterweser entstehen. Zudem ist auch die Idee eines internationalen Verteilnetzes für Strom in der Nordsee nicht vom Tisch.

Bremens Umwelt-Staatsrat Ronny Meyer (Grüne) glaubt, dass allein die Nordsee ab 2050 mehr als 50 Gigawatt Strom liefern könne, der Ostsee werden weitere 7 Gigawatt zugetraut. Um solche Strommengen von der Küste nach Süden zu bringen, braucht es aber leistungsfähigere Kabel und breitere Trassen. Da dies nicht reicht, sprechen sich die Nordländer für einen Ausbau der Wasserstofftechnologien aus. Überschüssiger Windstrom könne per Elektrolyse Wasserstoff produzieren, der wiederum Kraftwerken, Fabriken, Züge, Heizungen und Autos antreiben soll. 

Im November soll es konkret werden

Für Lies ist die Ankündigung auch ein Wink in Richtung der schwächelnden deutschen Windindustrie. Dort wurden zuletzt tausende Arbeitsplätze abgebaut, aktuell zählt die Branche noch etwa 24 500 Beschäftigte. Dieser Abbautrend könne sich mittelfristig wieder umkehren, hofft Lies.

Bei einer Konferenz Anfang November in Berlin sollen konkrete Schritte und gesetzliche Grundlagen festgezurrt werden. Bis Ende des Jahres will der Bund auch eine Wasserstoffstrategie verabschieden, bei der Ferlemann zufolge „auch die Frage der EEG-Umlage eine Rolle spielen“ wird. Bislang ist die EEG-Umlage für Windstrom ein Kostentreiber für grünen Wasserstoff.

Vergesst nicht die Ostsee“, betonte Mecklenburg-Vorpommerns Energieminister Christian Pegel (SPD). An seiner Küste sei vieles beim Windkraftausbau leichter als in der Nordsee. 

Niedersachsens oppositionelle Grüne lobten die Pläne, forderten von der Landesregierung aber mehr Engagement. Die Groko im Land müsse mehr Druck auf die Politik im Bund machen. Was Ministerpräsident Stephan Weil und sein Umweltminister Lies „in Berlin nicht durchsetzen können, lässt die Windenergiebranche in Niedersachsen den Bach runtergehen“, sagte Grünen-Fraktionschefin Anja Piel. 


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