Minister schwärmen für nachwachsenden Rohstoff Land wirbt für Bauen mit Holz, doch Reformen lassen auf sich warten

Neubau mit Holz-Grundgerüst in Tübingen in Baden-Württemberg. Der Südwesten ist in Sachen Holzbau bundesweiter Spitzenreiter. Foto: Sebastian Gollnow/dpaNeubau mit Holz-Grundgerüst in Tübingen in Baden-Württemberg. Der Südwesten ist in Sachen Holzbau bundesweiter Spitzenreiter. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Hannover. Niedersachsen wirbt für das Bauen mit Holz. Doch umfassende Reformen lassen auf sich warten.

Mit einem begehbaren Holz-Musterhaus werben Umwelt- und Agrarministerium in Niedersachsen für das Bauen mit dem nachwachsenden Rohstoff. Das Gebäude mit 120 Quadratmetern Grundfläche steht in Hannover auf der Calenberger Straße 2, genau zwischen den beiden Ministerien. Es ist das Kernstück der Bioökonomie-Aktionswoche „Bionale“, die bis zum 3. Oktober von 10 bis 18 Uhr für klimaschonendes Bauen informieren soll. Holz sei als Baustoff „erste Wahl“, schwärmt die für Forste und damit auch die derzeit übervollen Holzlager zuständige Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) am Montagmittag. Man solle das „Haus vom Ende her denken“, sagt der auch für Bau zuständige Landesumweltminister Olaf Lies (SPD). Gerade bei der Entsorgung spielten Holzhäuser ihre Vorteile aus. 

Bauordnung mit Nachholbedarf

Allerdings sei hierzulande noch lange nicht alles erlaubt, was technisch möglich ist, sagt Bauunternehmer Karl Hoffmeister aus Lamspringe. Im bayerischen Erlangen habe er gerade siebengeschossige Holzhäuser gebaut, erzählt der Chef des Verbandes Niedersächsischer Zimmermeister. Doch in Niedersachsen sei bei 13 Metern Höhe für die obere Decke Schluss mit Holz. Und auch bei der Brandschutzbeplankung seien die norddeutschen Landesbauordnungen rigide. Dabei könne ein Holzhaus dank hoher Vorfertigungsquote und fehlender Trocknungszeit bis zu einem halben Jahr schneller gebaut werden könne als ein herkömmliches.

Vorbildlich sei dagegen Baden-Württemberg: Dort wurde die Bauordnung schon vor Jahren geändert – inzwischen liegt die Holzbauquote im Südwesten bei 29,9 Prozent. In Niedersachsen liegt sie bei 10,8 Prozent, in Bremen sogar nur bei 5,3 Prozent.

Reformtempo unklar

Dass sich das schnell ändert, ist indes nicht zu erwarten. Denn die neue niedersächsische Bauordnung dürfte erst in anderthalb bis zwei Jahren fertig sein, sagt eine Mitarbeiterin des Umweltministeriums im Bauausschuss des Landtags – kaum eine Stunde nach dem Holzlob der Minister. Grund seien „Kapazitätsgründe“. Denn zuvor will das Ministerium ein fünfjähriges Wohnraumschaffungsprogramm sowie den digitalen Bauantrag auf den Weg bringen. Was das für das Holzbau bedeutet, ist noch offen. Die Bauminister der Länder hatten erst am Freitag Erleichterungen für die klimaschonende Bauweise beschlossen. „Es wird jetzt erstmal im Umweltministerium beraten, wie schnell das gehen soll“, sagt die Ministeriumsmitarbeiterin. 


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