Nachwuchs in Norddeutschland Fischadler im Aufwind in Niedersachsen - Tierpfleger wildern Vögel aus

Von dpa

Ein Fischadler wird von Klaus Meyer, Leiter der Wildtierauffangstation Rastede, festgehalten. Das Tier wird von Meyer an der Thülsfelder Talsperre ausgewildert. Der seltene Vogel wurde in der Wildtierauffangstation Rastede gesund gepflegt. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpaEin Fischadler wird von Klaus Meyer, Leiter der Wildtierauffangstation Rastede, festgehalten. Das Tier wird von Meyer an der Thülsfelder Talsperre ausgewildert. Der seltene Vogel wurde in der Wildtierauffangstation Rastede gesund gepflegt. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Friesoythe-Thüle . Verletzte Wildtiere werden in Niedersachsen in speziellen Stationen versorgt und auf ihre spätere Auswilderung vorbereitet. Manche Anrufer überschätzen aber doch die Möglichkeiten der Tierpfleger.

Scharfe Krallen, stechender Blick und ein beeindruckendes Federkleid: Der Fischadler auf dem Arm von Klaus Meyer plustert sich noch etwas auf und macht sich fertig zum Abflug. Nach einem Monat Pflege in der Wildtierauffangstation Rastede im Kreis Ammerland darf der seltene und streng geschützte Greifvogel heute erstmals wieder seine Runden in Freiheit drehen. „Der hat ordentlich frischen Fisch zu fressen bekommen und ist fit für die Wildnis", sagt Stationsleiter Klaus Meyer.

Naturschützer haben den verletzten Vogel Anfang August am Dümmer entdeckt. Eine Feder an der linken Schwinge ist abgebrochen, die Wunde blutet. „Das passiert oft, wenn sich ein Fischadler auf seine Beute stürzt und im trüben Wasser auf einen unsichtbaren Gegenstand trifft", erklärt Meyer.

Netze über Fischteichen riskant für Fischadler

Auch Netze, die Fischteiche vor Kormoranen und Fischreihern schützen sollen, sind hochriskant für die Greifvögel. Früher wurden sie als gefährliche Fischräuber stark bejagt und in Norddeutschland fast ausgerottet. In diesem Jahr sorgen 24 Brutpaare zwischen Dümmer See, Heide und Steinhuder Meer für Nachwuchs und ziehen 42 Jungvögel auf.

„1991 habe ich wieder ein erstes Fischadlerpaar in Niedersachsen entdeckt", erinnert sich Eckehard Bühring aus Celle an die Rückkehr der Tiere. Ihnen drohten Gefahren durch Angriffe von Kolkraben und Waschbären sowie durch Zusammenstöße mit Windkraftanlagen. Bühring setzt sich in der Arbeitsgemeinschaft Adlerschutz Niedersachsen dafür ein, dass Brutpaare in ihren Horsten ungestört bleiben und in Einzelfällen auch bewacht werden. Denn Fischadler werden immer wieder vergiftet, illegal gejagt und geschossen.

Ein Fischadler wird von Klaus Meyer, Leiter der Wildtierauffangstation Rastede, ausgewildert. Dabei hat er das Tier an der Thülsfelder Talsperre in die Freiheit fliegen lassen. Der seltene Vogel wurde in der Wildtierauffangstation Rastede gesund gepflegt. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Beim zweiten Startversuch kommt der Fischadler aus der Rasteder Station hinter hohen Bäumen an der Thülsfelder Talsperre im Kreis Cloppenburg flügelschlagend außer Sicht. Wenn er sich in der freien Natur wieder zurechtgefunden hat, geht es bald auf den Weg zum Winterquartier nach Nordafrika. Anhand großer Ziffern auf seinem Fußring können Beobachter mit dem Fernrohr das Tier identifizieren.  

1777 verletzte, beschlagnahmte oder exotische Tiere hat die Wildtierauffangstation Rastede 2018 aufgenommen, vom Seeadler bis zu gefährlichen Skorpionen. „Wir wollen das reparieren, was draußen durch menschliche Eingriffe kaputtgemacht wird", sagt Meyer. Oberstes Ziel sei die Auswilderung, viele Tiere müssten aber auch eingeschläfert werden.

Der Stationsleiter hat schon abenteuerliche Geschichten erlebt: „Eine Frau hat uns einen Affen auf ihrem Küchentisch gemeldet und sich über seine Federn gewundert - tatsächlich war es ein Huhn." Im Frühling wollte mal ein Anrufer wissen, wann er seine Frösche auftauen sollte - er hatte geglaubt, sie könnten in der Gefriertruhe „überwintern". Und dann war da noch die Frau, die einen Hasen mit abgetrennten Läufen vorbeibrachte, damit diese bei guter Pflege in der Station wieder „nachwachsen". „Vielen Menschen ist der Kontakt zur Natur völlig abhandengekommen", sagt Meyer verwundert. 


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN