Falsches Futter durch Besucher Mehrere Sika-Hirsche im Tierpark Nordhorn gestorben

Von Heike Weber

Mehrere Sika-Hirsche sind im Tierpark Nordhorn gestorben. Foto: dpaMehrere Sika-Hirsche sind im Tierpark Nordhorn gestorben. Foto: dpa

Norhorn. Im Tierpark Nordhorn sind in den vergangenen Wochen mehrere Sika-Hirsche gestorben. Vermutlich hatten Besucher sie mit Brot oder Äpfeln gefüttert. Schilder warnen nun davor. Es darf nur das im Tierpark erhältliche Streichelzoofutter gegeben werden.

Im Gegensatz zu Schafen, Ziegen und Kühen sind laut Tierzoo-Ärztin Dr. Heike Weber andere Wiederkäuer wie Antilopen und Hirsche sehr empfindlich. Vor allem was die Fütterung anbelangt: Denn auch wenn alle einen aus mehreren Kammern bestehenden Magen besitzen, Futterbrocken hochwürgen und erneut durchkauen – deshalb heißen sie Wiederkäuer – fressen sie nicht alle dasselbe Futter. Manche sind Spezialisten und bevorzugen Blätter und Kräuter, andere sind eher Grasfresser. 

Pansen-Bakterien sterben

Gemeinsam ist ihnen, dass in der größten Magenkammer, dem Pansen, Millionen von Bakterien wohnen. Nützliche Bakterien. Winzig kleine Lebewesen, die die Nahrung aufspalten und zersetzen. Nur durch die Arbeit dieser Bakterien können Wiederkäuer ihr Futter verwerten, also nutzen. Aber: Diese Bakterien arbeiten nur, wenn im Pansen alles in Ordnung ist.

Frisst so ein empfindlicher Wiederkäuer etwas Falsches oder Ungewohntes, kann der Säuregehalt im Pansen ansteigen und die Pansen-Bakterien sterben. Pansenübersäuerung (Acidose) nennt man das. Das ist eine schlimme Sache, sagt Dr. Weber.

Zwei Tiere gestorben

Genau daran sind vor einigen Wochen zwei weibliche Vietnam Sika-Hirsche im Tierpark Nordhorn gestorben, schreiben die Grafschafter Nachrichten. Ein Arzt hat die toten Tiere untersucht. Vermutlich war die Todesursache irgendetwas Fressbares wie Brot, Kekse oder Äpfel, das ein Besucher gefüttert hat. Da Sika-Hirsche so empfindlich sind, reichen zucker- oder kohlenhydratreiche Lebensmittel, die sie nicht gewohnt sind, aus – eben Brot oder Kekse. Die Sika-Hirsche bekommen dann sehr starke Schmerzen und sterben innerhalb von Stunden, ohne dass man ihnen helfen kann, sagt Dr. Weber.

Nur Futter an der Kasse kaufen

Deswegen bittet der Tierpark Nordhorn darum, Tieren nur das an der Kasse erhältliche Streichelzoofutter geben. Dies ist laut Dr. Weber speziell für die Zootiere hergestellt und in den Futterplänen mit eingerechnet. Zusätzlich bekommen alle Tiere von den Tierpflegern die genau ausgerechneten anderen Futtermittel. Denn jede Tierart hat andere Ansprüche und Bedürfnisse hinsichtlich der Vitamine, Mineralien, des Proteingehaltes im Futter. Eine Fütterung durch Besucher mit anderen Dingen als dem Streichelzoofutter würde alles durcheinanderbringen und kann sogar – wie leider bei den Sika-Hirschen – zu Todesfällen führen. Deshalb hängen jetzt zusätzlich große neue Fütterungshinweisschilder vor und im Sika-Gehege.


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