Waldschäden in Niedersachsen 25000 Fußballfelder große Fläche soll aufgeforstet werden

Vor allem im Nationalpark Harz sind viele Bäume abgestorben.  Foto: Julian Stratenschulte/dpaVor allem im Nationalpark Harz sind viele Bäume abgestorben. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Hannover. Die Schäden in Niedersachsens Wäldern sind enorm: Agrarministerin Barbara Otte-Kinast erwartet den Verlust einer Fläche in der Größe von 25000 Fußballfeldern – und hofft auf Geld aus Berlin.

Die Waldschäden in Niedersachsen nehmen ein immer größeres Ausmaß an. Das sagte Agrarministerin Barbara Otte-Kinast am Montag nach einer Sitzung des Waldbeirats in Hannover. „Die Waldbesitzer erleben ein flächenhaftes Siechtum“, sagte die CDU-Politikerin. Demnach ist allein in den Privatwäldern eine „kalamitätsbedingte Freifläche von mehr als 13 000 Fußballfeldern“  entstanden, in den öffentlichen Wäldern sei ein ähnlich großes Gebiet betroffen. In diesem Jahr seien bereits zwei Millionen Kubikmeter Kalamitätsholz angefallen, ein Ende nicht in Sicht. Vor allem in Süd- und Ostniedersachsen, insbesondere im Harz und Solling, seien ganze Landstriche verwüstet, seit Monaten helfen Mitarbeiter aus dem Norden des Landes in den zerstörten Forsten. „Die Waldbesitzer können nicht mehr“, nun dürfe man sie nicht alleine lassen, sagte die Ministerin. Die Auszahlung von Hilfen solle unbürokratischer erfolgen, forderte sie. 

Waldbesitzer : Haben dreistellige Millionenkosten

Die Gründe für das Baumsterben sind vielfältig. Vor allem zwei Dürrejahre in Folge haben den Beständen massiv zugesetzt. Dazu kommen Stürme und zahlreiche Schädlinge und Krankheiten, allen voran der Borkenkäfer, der sich in geschädigten Fichtenbeständen rasend schnell vermehrt. Doch längst sind auch andere Baumarten von Schädlingen und Krankheiten betroffen: Kiefern, Buchen, Eichen – sogar der Ahorn leidet. Kritiker sehen auch in der Anlage von Fichten-Monokulturen einen Grund für die Probleme. Das wies Otte-Kinast zurück: Seit etwa 30 Jahren betreibe das Land eine ökologische Waldentwicklung.

Das Land hat durch Umschichtungen von Mitteln aus der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) in diesem Jahr bislang 5,5 Millionen Euro für Beräumung und Wiederaufforstung bereit stellen können, doch das dürfte bei weitem nicht reichen. Insgesamt muss Otte-Kinast zufolge eine Fläche etwa 25 000 Fußballfeldern neu bepflanzt werden. Allein die privaten Waldbesitzer veranschlagen für ihren Anteil Kosten von über 100 Millionen Euro – bei einem gleichzeitig durch das Überangebot zusammengebrochenen Holzmarkt, auf dem sich nichts mehr verdienen lässt. 

Otte-Kinast hofft auf Berlin

Hoffnung setzt die CDU-Landesministerin in zwei Termine in Berlin: Am 20. September tagt dort das Klimakabinett der Groko, am 25. September lädt Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) zum Waldgipfel. Derzeit steht ein Bundesförderprogramm in Höhe von 800 Millionen Euro im Raum, das von den Ländern aufgestockt werden soll. Sie sei mit Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) über diese Kofinanzierung in Verhandlungen, sagte Otte-Kinast. 

Forderungen, mehr Flächen sich selbst zu überlassen, erteilte die CDU-Politikerin eine Absage: Bei ungeregeltem Bewuchs gebe es die Gefahr von Fehlentwicklungen, zumal angesichts der Klimaveränderungen teilweise widerstandsfähigere Arten aus Südeuropa und Übersee in die neuen Mischwälder einziehen sollen. Experten gehen davon aus, dass sich das Landschaftsbild entsprechend ändern wird. Zudem habe sich gezeigt, dass ein bewirtschafteter Wald mehr zum Klimaschutz beitrage als einer, der sich selbst überlassen werde, sagte Otte-Kinast.

Grüne: Ministerin hat Thema verschlafen

Scharfe Kritik kam von den Grünen. Otte-Kinast habe die Probleme „regelrecht verschlafen“, kritisierte die Grünen-Abgeordnete Miriam Staudte. „Die überfälligen Vorschläge für ein bisschen Aufforsten und lediglich viele Ankündigungen allein reichen jedoch bei weitem nicht“, sagte sie. Die Ministerin habe kaum Geld, und das fließe statt in den Waldumbau in die Schädlingsbekämpfung. Auch tue das Ministerium nichts gegen das Absinken der Grundwasserspiegel durch Wasserentnahme für die Landwirtschaft. Am kommenden Freitag ist der Zustand der niedersächsischen Wälder Thema im Landtag. 


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