Bündnis sucht Mitstreiter Streuobstwiesen bieten kostenlos Obst - kaum einer bückt sich noch

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Hannover. Alte, knorrige Apfelbäume, darunter Fallobst, das vielfach verrottet: Streuobstwiesen gehören zur Kulturlandschaft in Niedersachsen. Doch ihre Pflege wird heute oft vernachlässigt. Dabei könnte es so einfach sein, sich kostenloses Obst aus der Region zu holen.

Alte Streuobstwiesen in Niedersachsen werden oft vernachlässigt - dabei können dort meist kostenlos Äpfel oder andere Früchte gepflückt werden. Am Wochenende konnten sich Besucher auf zahlreichen solcher Wiesen überall in Niedersachsen informieren, wie die alten Kulturbiotope genutzt und geschützt werden können.

Helfen würde es schon, wenn das Obst mehr Verwendung fände und nicht auf dem Boden liegen bleibe, sagte Sabine Washof, die Vorsitzende des Streuobstwiesen-Bündnisses Niedersachsen. Der Anreiz, sich etwa nach den Äpfeln zu bücken, sei für viele Menschen aber nicht mehr groß. Gekauft werde lieber im Supermarkt - und zwar Obst, das oft nicht einmal aus Deutschland stammt.

Die Naturschützer des Bündnisses wollen mehr Mitstreiter für den Schutz dieser alten Kulturbiotope gewinnen. Vor allem im Leine- und Weserbergland, im südlichen Harzvorland und im Eichsfeld gibt es Streuobstwiesen. Einzelne, meist kleine Vorkommen gebe es beispielsweise auch in den Landkreisen Göttingen und Holzminden sowie Osterode, Northeim, Hildesheim und Wolfenbüttel. Wie viele solcher Wiesen es insgesamt gibt, ist nicht bekannt. Auf freiwilliger Basis werden die Streuobstflächen aber erfasst. "Wir fordern eine landesweite Kartierung", sagte Washof.

Die Wiesen brauchen regelmäßig Pflege, so müssen sie etwa geschnitten werden. Dazu gibt es Aus- und Fortbildungsangebote. "Als Fazit ist zu sagen, dass in der Betreuung und Pflege der Wiesen noch viel Luft nach oben ist", sagte Washof. "Was früher selbstverständlich war, ist heute zur zeitintensiven und unrentablen Herausforderung geworden."

Einerseits sei die Akzeptanz der Streuobstwiesen in den vergangenen Jahren zwar enorm gestiegen, oft wurden auch Wiesen neu angelegt. "Leider aber gibt es auch den umgekehrten Trend, dass alte Streuobstbestände oft vergreist und ungepflegt sind." Weil keine neuen Bäume gepflanzt werden und das Obst nicht geerntet werde, verlören solche Bestände dann ihren Wert.

Aus ökologischer Sicht sind Streuobstwiesen wichtig, weil sie einen artenreichen Lebensraum für verschiedene Gras- und Wildblumenarten bieten. Diese wiederum sind Lebensraum für Insekten, Amphibien, Reptilien, Vögel und verschiedene Säugetiere. Auch sind sie wichtig für den Klimaschutz, denn die Bäume sind Luftfilter und Sauerstoffproduzenten. Das Grünland wiederum speichert je nach Bodentyp und Wasserstand Kohlenstoff.


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