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11.08.2019, 03:33 Uhr KOMMENTAR ZU CLANKRIMINALITÄT

Der Kampf gegen die Clans wird Zeit und viel Geld kosten

Ein Kommentar von Dirk Fisser


Ein Polizist im Einsatz. Foto: dpa/Julian StratenschulteEin Polizist im Einsatz. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Osnabrück. Mehr als 800 Ermittlungsverfahren hat die Polizei in Niedersachsen im vergangenen Jahr mit Bezug auf Clankriminalität eingeleitet. Dazu ein Kommentar.

Der Staat kämpft mit einigen kriminellen Familienclans darum, wer das Sagen hat auf der Straße. Wie konnte es so weit kommen? Aus falsch verstandener Toleranz heraus? Wohl auch. Aber bedeutender dürfte die Tatsache gewesen sein, dass zunächst vor allem Menschen mit Migrationshintergrund Opfer der Clans waren.

Man regelte Dinge untereinander – entweder mit Gewalt oder mithilfe eines sogenannten Friedensrichters. Paralleljustiz eben. Und so hart diese Erkenntnis auch ist: Was die Mehrheitsgesellschaft nicht merkt, das stört sie auch nicht. Folglich wird darauf innenpolitisch kein Augenmerk gelegt.  

Diese Freiräume haben die kriminellen Clans genutzt – sie reichen ihnen nun offenbar nicht mehr. Die illegalen Geschäftsfelder werden ausgeweitet, der Machtanspruch durch asoziales Verhalten in der Öffentlichkeit demonstriert. Das erschüttert natürlich das Sicherheitsempfinden vieler. 

Wenn nun aber die Polizei mehr Delikte mit Clanbezug registriert oder die Mehrheitsgesellschaft sie eher wahrnimmt, heißt das nicht, dass es tatsächlich unsicherer auf der Straße geworden wäre. Nein, Vieles von dem, was da jetzt sichtbar wird, verschwand vormals im Dunkelfeld – dem, was Polizei und damit Mehrheitsgesellschaft nicht sehen, teils auch ignorieren.

Das Zurückdrängen der Clans wird viel Energie und Geld kosten. Und vor allem wird es nur gelingen, wenn die Ermittler am Ball bleiben können. Wenn also innenpolitisch der Wille da ist, einen Sumpf trocken zu legen, von dem man noch gar nicht weiß, wie tief er ist. Aber eins muss dabei auch klar sein: Ein Nachname oder eine Herkunft machen noch keinen Verbrecher. Augenmaß ist gefragt.


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