Geringere Fahrtkosten gefordert DGB-Jugend: Azubis sollen für einen Euro Nahverkehr nutzen dürfen

Von dpa

Die DGB-Jugend fordert ein Azubi-Ticket. Es soll einen Euro pro Tag kosten und für den öffentlichen Personennahverkehr in Niedersachsen und Bremen gelten. Foto: Julian Stratenschulte/dpaDie DGB-Jugend fordert ein Azubi-Ticket. Es soll einen Euro pro Tag kosten und für den öffentlichen Personennahverkehr in Niedersachsen und Bremen gelten. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Julian Stratenschulte

Hannover. Für einen Euro zur Berufsschule oder zum Betrieb: Geht es nach dem Deutschen Gewerkschaftsbund, sollen Azubis künftig geringere Fahrtkosten haben. Profitieren sollen aber auch die Betriebe.

Auszubildende sollen künftig für einen Euro pro Tag den öffentlichen Nahverkehr in Niedersachsen und Bremen nutzen können - das fordert der regionale Jugendverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). „Während sich Auszubildende ihren Betrieb noch aussuchen können, wird die Berufsschule zugewiesen. Wie die Azubis dorthin kommen, interessiert dann aber niemanden mehr", sagte DGB-Abteilungsleiterin Ute Neumann am Dienstag in Hannover. Einer Online-Umfrage des DGB unter 812 Azubis aus der Region zufolge zahlt aktuell fast jeder Dritte (31 Prozent) mehr als 10 Euro täglich für den Weg zur Berufsschule.

Andere Bundesländer haben bereits Azubi-Ticket

88 Prozent der Befragten waren für ein 1-Euro-Tagesticket - und das, obwohl 57 Prozent angaben, derzeit ein Auto für die Fahrten zu nutzen. Nach Vorstellung des DGB soll das Tagesticket nicht für jeden Azubi verpflichtend, sondern auf Anfrage verfügbar sein. Gelten soll es in Straßenbahnen, Bussen und allen Regionalzügen.

Die Förderung des Nahverkehrs schone aber nicht nur den Geldbeutel der Azubis, sondern könne auch helfen, den Ausbildungsmarkt in der Region zu stärken und junge Fachkräfte zu halten, teilte der DGB mit. Denn Nordrhein-Westfalen, Hessen, Berlin, Brandenburg und Thüringen haben bereits ein Azubi-Ticket. Und die Betriebe in Niedersachsen und Bremen müssen mittlerweile um geeignete Auszubildende kämpfen. Nach Angaben der Arbeitsagentur gibt es dieses Jahr mehr offene Ausbildungsstellen als Bewerber. Das Ausbildungsjahr beginnt am Donnerstag.

Finanzierung und Kosten unklar

Welche Kosten ein Azubi-Ticket verursache, lasse sich bisher nicht verlässlich prognostizieren, sagte Neumann. Die Grünen gingen von rund 70 Millionen Euro aus, die SPD von rund 100 Millionen Euro. Das Problem sei, dass es in Niedersachsen viele Verkehrsverbünde gebe, mit denen verhandelt werden müsste. Anders als für Studierende, für die der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) die Semestertickets aushandelt, gebe es für Azubis zudem keinen klaren Ansprechpartner.

Aus der Politik gebe es für das Azubi-Ticket vor allem von den Grünen und von der FDP positive Signale, sagte Danny Schnur, DGB-Referent für Handwerks- und Bildungspolitik. Die Regierungsparteien SPD und CDU hätten allerdings noch große Bedenken wegen der Finanzierung.

Die Grünen unterstützten die DGB-Forderung - doch die große Koalition sitze das Problem aus, sagte der Verkehrspolitiker Detlev Schulz-Hendel. Schon im Januar hätten die Grünen die Landesregierung aufgefordert, ein landesweites Ticket auf freiwilliger Basis einzuführen, passiert sei aber nicht viel. Jetzt geht der Blick auf 2020: „Wenn das Ticket mit einem Jahr Verspätung doch noch kommen soll, dann muss die GroKo jetzt zumindest schon einmal im Haushalt für 2020 Farbe bekennen und Geld einstellen." 


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN