181 Mitarbeiter betroffen Nordseewerke in Emden erneut in der Insolvenz

Von Alexander Klay | 29.05.2015, 09:33 Uhr

Die Nordseewerke in Emden sind wieder in Finanznot. Nach der Insolvenz 2012 reichte die Geschäftsleitung des Fundament-Herstellers für Offshore-Windparks am Freitag erneut Insolvenzantrag ein. Durch fehlende Aufträge drohte die Zahlungsunfähigkeit, teilte die Kanzlei des Anwalts Jörg Gollnick mit. Der Insolvenzrechtler wurde zum Berater der Geschäftsführung berufen.

Betroffen sind 181 Mitarbeiter. Etwa 80 Prozent von ihnen sind seit September 2014 in Kurzarbeit. Seitdem seien sie praktisch nicht mehr im Unternehmen tätig. Zuvor hatte der Betrieb, der seit 2013 zur saarländischen DSD Steel Group gehört, für kleinere Teile der Belegschaft Kurzarbeit angemeldet. 

 Gewerkschaft: Versagen der Geschäftsleitung 

Laut Mitteilung des Insolvenzrechtlers liege die Ursache für die Schieflage des Fundament-Herstellers in unsicheren Rahmenbedingungen für Offshore-Windkraft. Michael Hehemann von der Gewerkschaft IG Metall in Emden entgegnete: „Gründe für den Insolvenzantrag waren nicht nur die schwierigen politischen Rahmenbedingungen, sondern vor allem auch das Versagen der Geschäftsleitung. Sie hat keinerlei Herzblut an den Tag gelegt.“

 Harsche Kritik des Wirtschaftsministers 

Mit harscher Kritik reagierte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) auf den Insolvenzantrag. Er wirft dem Management der Nordseewerke Vertrauensbruch vor, zudem habe DSD Steel „komplett versagt“. Der Investor habe keine neuen Aufträge an Land ziehen können und auch keine Antworten auf Herausforderungen der Offshore-Branche gefunden. „Ganz im Gegenteil, er hat das Unternehmen abgewirtschaftet und lässt die ihm anvertrauten Mitarbeiter im Stich.“ Es liege der Verdacht nahe, dass es DSD nie um den Erhalt der Nordseewerke gegangen sei, sondern um schnellen Profit.

Das Land Niedersachsen hatte den Kauf der Nordseewerke durch DSD Steel Anfang 2013 mit einer Bürgschaft in zweistelliger Millionenhöhe abgesichert. Damals musste der Vorgänger, die SIAG Nordseewerke, aus der Insolvenz gerettet werden. Gegen die vom Unternehmen angestrebte Insolvenz in Eigenverwaltung werde sich das Land mit aller Kraft einsetzen, hieß es.

 Niedergang einer Traditionswerft 

Die neuerliche Insolvenz der Nordseewerke ist der vorläufige Höhepunkt des Niedergangs der Traditionswerft. Ende der 1950er-Jahre arbeiteten dort mehr als 5000 Menschen. Auf Frachtschiffe folgten auf der Thyssen-Werft später Boote für die Marine. 2010 positionierte Schaaf Industrie (SIAG) den Betrieb mit noch 750 Mitarbeitern als Produktionsstandort von Fundamenten für die Offshore-Wind-Industrie. Nach ersten Projekten blieben Folgeaufträge aus, im Oktober 2012 gingen die SIAG Nordseewerke in die Insolvenz. Der Investor DSD Steel übernahm lediglich 240 Beschäftigte.

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